Archiv: Übernatürliches im Test
Sendedatum: Mittwoch, 13. Oktober 2004
Bildunterschrift: Der Raum in dem die Probanden getestet wurden ]
Pendeln, Wünschelrutengehen, oder Löffelverbiegen: Immer wieder behaupten Menschen, paranormale Fähigkeiten zu besitzen. Jetzt winken demjenigen 1 Million Dollar, der unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen paranormale Fähigkeiten nachweisen kann. W WIE WISSEN war bei den Tests dabei.
Bildunterschrift: Die Eimer werden kontrolliert ]
Ob man annimmt, dass es Übersinnliches gibt, also etwa Gedankenübertragung, Vorahnungen, Wünschelrutengehen, ist eigentlich eine Frage des Glaubens – nicht der Wissenschaft. Wenn der Glaube an Übersinnliches auf Wissenschaft trifft, begegnen sich zwei Welten. An der Uni Würzburg fand eine solch ungewöhnliche Begegnung vor wenigen Wochen statt: Die GWUP testete 13 Bewerber auf ihre übersinnlichen Fähigkeiten. Der Test fand unter streng wissenschaftlichen Bedingungen statt. Der darin seine übersinnlichen Fähigkeiten bewiesen hätte, der hätte 1 Million Dollar gewinnen können.
Der "One-Million-Dollar" Preis
Bildunterschrift: Mit Lottokugeln werden die Eimer ausgelost ]
Der Skeptiker James Randi bietet demjenigen 1 Million Dollar, der ihm unter wissenschaftlichen Bedingungen beweist, dass er übersinnliche Fähigkeiten besitzt. Dieser Preis ist bereits seit 1986 ausgeschrieben. Bisher wurden weltweit ungefähr 200 Kandidaten von James Randi persönlich getestet - bisher konnte niemand beweisen, dass er über übersinnliche Fähigkeiten verfügt.
In Deutschland haben sich knapp 60 Personen beworben. Bis jetzt hat die GWUP 13 Kandidaten an der Universität Würzburg getestet. Die Abkürzung GWUP steht für Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Die GWUP ist eine Vereinigung von Skeptikern, die Phänomene wie z. B. Wünschelrutengehen, Energetisieren von Wasser und Ähnliches mit wissenschaftlichen Methoden unvoreingenommen überprüfen wollen.
Der Test
Bildunterschrift: Kurt Gerlach bei seinem Test ]
Für jeden Kandidaten wird ein individueller Test entworfen. Forscher und Kandidat überlegen gemeinsam, wie er aussehen könnte. Ungewöhnliche Fähigkeiten erfordern ungewöhnliche Testmethoden. Der Kandidat darf bestimmen, wo und wie der Versuch aufgebaut wird. Der Testablauf soll aber natürlich streng wissenschaftlich sein. Er ist doppelt blind, d. h. weder Forscher noch Kandidaten können den Test beeinflussen.
Ein Kandidat
Bildunterschrift: Frau Ehrlich beim Test des energetisierten Wassers ]
Kurt Gerlach, 68 Jahre alt, ist Rentner. Früher arbeitete er als Schreiner und Parkettverleger. Er behauptet mit seiner Wünschelrute Wasseradern, aber auch Akkus und Störfelder orten zu können. Für den Test sucht er mit seiner Wünschelrute nach einem Handy, das unter einem von 10 Eimern versteckt ist. Eigentlich hat er mit der Wünschelrutengängerei nur deshalb angefangen, weil er die von James Randi ausgelobten 1 Million Dollar gewinnen will. Und obwohl er erst seit kurzem mit der Wünschelrute nach Störfeldern sucht, ist er sich 100 prozentig sicher. Er hat verschiedene Wünschelruten, und eine Heizdecke mitgebracht.
Da Kurt Gerlach glaubt, dass Erdstrahlen und elektromagnetische Störfelder seine Messung beeinflussen, legt er eine Heizdecke unter seine Füße. Die soll ihn vor den störenden Strahlen schützen. Seine These: Solange er auf der eingeschalteten Heizdecke steht, wird er von diesen Störfeldern abgeschirmt.
Im wissenschaftlichen Test soll Kurt Gerlach herausfinden, unter welchem der 10 Eimer ein Handy versteckt ist. Seine Frau hat vorher zu Hause mit ihm geübt - und beide sind sich sicher, dass er das Handy findet.
Zufallserwartung: 1-2 Eimer bei 13 Durchgängen. Um eine Runde weiter zu kommen soll Herr Gerlach 7 Mal den richtigen Eimer finden.
Gemeinsam mit den Wissenschaftlern legt Herr Gerlach dann den genauen Testablauf fest. Dabei darf er bestimmen, wo und in welchem Abstand die Eimer stehen sollen. Vor dem eigentlichen Test geht jeder Kandidat den gesamten Raum ab, um zu kontrollieren, wo er so genannte Störfelder feststellt.
Der offene Blindtest
Bildunterschrift: Johann Grüner bei seinem Test ]
Der Kandidat Kurt Gerlach kann dabei zusehen, wie ein Eimer als Versteck für das zu suchende Objekt ausgelost wird. Er weiß also, wo er suchen muss. Dieser sogenannte "offene Blindtest" ist wichtig als Kontrolle für den Kandidaten – schließlich soll er ausprobieren können, ob er unter den gegebenen Testbedingungen das gesuchte Objekt überhaupt lokalisieren kann. Ein solcher "offener Blindtest" steht bei jedem Kandidaten am Anfang und am Ende der Testreihe.
Bei Kurt Gerlach wurde im "offenen Blindtest" die Kugel mit der 1 gezogen - und das Handy somit unter Eimer Nr. 1 versteckt. Diesen Eimer hat Herr Gerlach auch gefunden. Das war übrigens bei allen Kandidaten so: im offenen Blindtest schlug bei jedem das Pendel bzw. die Rute an der richtigen Stelle aus.
Der Doppel Blindtest
"Doppel Blind" kann eigentlich wörtlich genommen werden: Keiner im Raum darf wissen, wo das gesuchte Objekt zu finden ist. Er könnte es, auch ohne es zu wollen, beispielsweise durch seine Körpersprache verraten.
Um das zu gewährleisten, werden die drei Gruppen getrennt - und haben während des gesamten Tests keinerlei Kontakt. Verständigt wird sich mit einem neutralen Klopfzeichen.
-Gruppe A: Lost mit Lottokugeln den Eimer aus. Und versteckt das Objekt.
-Gruppe B: In dieser Gruppe befindet sich der Kandidat – sucht mit Hilfe der paranormalen Fähigkeiten das Handy.
-Gruppe C: Kontrolliert unter welchem Eimer das Handy wirklich war.
Die Ehefrau des Kandidaten, ist in der Kontrollgruppe C. Sie überprüft, wo die Gruppe A das Handy wirklich versteckt hat - und kontrolliert, ob es noch auf Empfang ist. Alle drei Gruppen halten ihre jeweiligen Daten fest. Zum Schluss werden die drei Protokolle nebeneinander gelegt – und aufgelöst. Erst zum Schluss erfahren Kandidat und Wissenschaftler die Ergebnisse.
Gute Laune ist wichtig
Während der Tests herrschte immer gute Stimmung. In den Wartezeiten wurde viel gelacht. Dafür sorgte Dr. Rainer Wolf. Er betreute die Kandidaten und hörte sich deren Theorien über Erdstrahlen, Vorahnungen, Pendeln und vieles mehr an, ohne zu widersprechen. Zudem überbrückte er die Wartezeit mit unterhaltsamen Sinnestäuschungsphänomenen und Zaubertricks. Einige Teilnehmer konnten gar nicht glauben, dass er zu den "Skeptikern" gehört.
Doch diese empathische Haltung ist für die Test sehr wichtig. Es gibt nämlich einen sogenannten "Experimentator -Effekt". Das bedeutet: Parapsychologen haben nachgewiesen, dass Versuchspersonen in parapsychologischen Tests besser abschneiden, wenn sie von Wissenschaftlern betreut werden, die daran glauben, dass es diese Phänomene wirklich gibt. Amüsanterweise ist dieser Experimentator-Effekt, der einzige Effekt, über den sich sowohl Parapsychologen - als auch Skeptiker einig sind. Trotz guter Laune ging es während der Tests der GWUP natürlich streng wissenschaftlich zu.
Kurt Gerlachs Ergebnis
Seine Aufgabe war es, den einen richtigen unter 10 Eimern zu finden – den unter dem das Handy versteckt war. Das durfte er insgesamt dreizehn mal probieren. Die zufällige Trefferquote hätte bei ein bis zwei Erfolgen gelegen. Herr Gerlach schaffte es kein einziges Mal.
Die anderen Kandidaten und ihre Ergebnisse
Karl-Heinz Reuter
Karl-Heinz Reuter geht seit fast 40 Jahren mit seiner Wünschelrute auf die Suche nach Wasseradern. Im Test muss er einen Eimer Wasser finden. In 13 Durchgängen sollte er sieben Mal richtig liegen. Herr Reuter glaubte vorher zwar, dass er jedes Mal den richtigen Eimer findet, trotzdem hat er die Million Dollar noch nicht verplant.
Links
Die offizielle Seite der GWUP
Hier besteht unter anderem die Möglichkeit, sich als Kandidat für die One-Million-Dollar anzumelden. Außerdem gibt auch Informationen zu Skeptiker-Organisationen weltweit. Wer einen Überblick über kritische Betrachtungen zur Messung von Erdstrahlen, Heilsteine und ähnlichem sucht ist hier richtig.
James Randi
Über James Randi kann man sich auf seiner Seite informieren – leider nur in Englisch.
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 13.10.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
