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Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Para-Wissenschaften e.V. tagtKategorie: Wissenschaft & Technik - Autor: Roger Murmann - Datum: Donnerstag, 03 April 2008
"Magie, Zauberei und Hexenverfolgung in Darmstadt" ist ein Thema der 18. Konferenz der
"Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Para-Wissenschaften e.V." (GWUP) im Darmstädter
Justus-Liebig-Haus, die sich in diesem Jahr vom 1. bis 3. Mai mit dem Begriff
"Kreationismus" auseinandersetzt. Schwerpunkt eines Informationsabends für das allgemeine Publikum am
30. April im Festsaal des Darmstädter Schlosses sind allerdings zunächst einmal die "dunklen Seiten" der Stadtgeschichte. In der Pressemitteilung heisst es dazu:
Zauber- und Beschwörungsbücher
Sie erzählen vom Darmstädter Landgrafen Ludwig IX. im späten 18. Jahrhundert, der zeitlebens rätselhafte Phantomgestalten durch sein Domizil huschen sah. Von einem Kammersekretär mit Namen Karl Wunderlich, einem Adepten der Geheimwissenschaften und gläubigen Sammler verrufener Zauber- und Beschwörungsbücher. Und natürlich von der Hexenverfolgung in Darmstadt, welcher neben 35 anderen Beschuldigten die 16-jährige Anna und der elf Jahre alte Bub Wolf zum Opfer fielen.
"Hexen, Geister, Grimoires" ist denn auch die Veranstaltung überschrieben. Ein Grimoire ist ein altes Buch mit magischem Wissen, und davon beherbergt die heutige Universitäts- und Landesbibliothek im Schloss
Darmstadt einige Dutzend besonders seltener Exemplare. Diesen außerordentlichen Handschriftenbestand aus dem Nachlass Karl Wunderlichs (1769 - 1841) wird der Volkskundler Dr. Stephan Bachter (Augsburg) den Zuhörern erschließen. "Wunderlich teilte die Leidenschaft seiner Landesherren, der Landgrafen von Darmstadt, die ein besonderes Faible für die okkulten Künste hatten und selbst Geisterbeschwörungen und
magische Schatzgräberei betrieben", weiß Bachter.
Geisterseher und weiße Frauen
Diese nahezu unbekannte dunkle Seite der städtischen Historie hat Dr. Diethard Sawicki ausgeforscht. Insbesondere unter der Regentschaft von Ludwig IX. (1717-1790) bedingten die "religiös-weltanschauliche Prägung des Landgrafen, seine Neigung zu Halluzinationen und die Personen, mit denen er sich bevorzugt umgab, dass sich eine regelrechte Hofkultur des Geisterhörens und -sehens etablieren konnte", erläutert der Historiker und Spiritismus-Experte.
Zwischen spooky und philosophisch
Nichtsdestotrotz war es "damals wie heute finanziell einträglicher, als Medium zu gaukeln, anstatt sein Können als wertvolle Unterhaltungskunst zu präsentieren", sagt der Zauberkünstler und Illusionist Yandaal. Er ist es, der bei der GWUP-Veranstaltung die Geister "sprechen" lässt. "Insgesamt dürfte
das Ganze ein bisschen zwischen spooky und philosophisch werden", kündigt der Hannoveraner an. Eigens für "Geister, Hexen, Grimoires - Darmstadts okkulte Stadtgeschichte" hat Yandaal ein neues und exklusives
Programm konzipiert, das er "bizarre Magie" nennt: "Geschichten und Zaubereien zum Thema Hexen, weiße Frauen und Schatzpläne." Außerdem wird der Künstler die Übergänge zwischen den einzelnen Vorträgen mit
thematisch passenden Liedern gestalten.
Wollüstiger Sex und Höllenritte
Apropos Hexen: In der Walpurgisnacht fliegen bekanntermaßen die Hexen auf einem Besen zum Blocksberg, um dort eine Nacht lang zu tanzen und wollüstigen Sex mit dem Teufel zu haben. Aus heutiger Sicht mutet das an wie ein Ecstasy-Trip. Könnten solche Vorstellungen womöglich tatsächlich unter dem Einfluss halluzinogener Substanzen entstanden sein? "Das ist sogar sehr wahrscheinlich, wenn man die verwendeten Pflanzen betrachtet", ist der Lebensmittelchemiker Dr. Jochen Bergmann überzeugt. Obwohl Hexensalben-Rezepte - insbesondere die klassische "Flugsalbe - in verschiedenen Varianten kursierten, enthielten sie meist Teile einer oder mehrerer Pflanzen mit berauschender Wirkung, "wie etwa Bilsenkraut,
Tollkirsche, Alraune oder bittersüßer Nachtschatten".
Anna und Wolf - "Hexe" und "Hexer"
Einen wahren Kern also haben die die Schilderungen von "Hexenflug und Ausschweifungen" allemal - nur fand dies alles bloß im Kopf der "Hexen" statt. Dennoch sind 37 Frauen und Männer in Darmstadt als "Hexen" und "Hexer" getötet worden. Den Gründen und Ursachen der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung geht die Altgermanistin Henriette Fiebig (Berlin) auf den Grund. 1582 ließ Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt gar einen elfjährigen Jungen und ein 16 Jahre altes Mädchen wegen Hexerei hinrichten. Wie kam es zu dieser Anklage? "Über die Vorgeschichte erfahren wir nur aus einem Brief Georgs an seinen Bruder Wilhelm", hat Fiebig recherchiert. "Eine Frau hatte gestanden, eine Zauberin zu sein und ihre zwei Töchter und drei Söhne ebenfalls dem Teufel zugeführt zu haben. Der jüngste Sohn Wolf hatte seiner bereits inhaftierten Schwester Sara durch eine List zur Flucht verholfen, war aber gemeinsam mit ihr schon am nächsten Tag aufgegriffen und dann selbst verhaftet worden. In der Vernehmung erzählt er, er habe gesehen, dass Anna - eine Waise und die Nichte einer mit seiner Mutter zusammen hingerichteten Frau - mit dem Teufel Hochzeit hielt. So wurde auch Anna verhaftet."
Wissenschaft und Entertainment
Was aber sich aus den historischen Akten herauslesen lässt, wie man eine Flugsalbe zusammenbraut, was es mit dem legendären "6. und 7. Buch Mosis" auf sich hat und ob Ludwigs "Geisterseher" tatsächlich Schätze fanden - das alles und noch vieles mehr erfahren die Besucher am
30. April ab 19.30 Uhr bei "Geister, Hexen, Grimoires - Darmstadts okkulte Stadtgeschichte
(n)". Der Nacht, in der die Geister sprechen...
Weitere Informationen zur Konferenz und das komplette Programm finden sich auf der Homepage.