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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH, einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz, an der er auch unterrichtet.
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14.07.08 · 14:03 Uhr
Erste deutsche Homöopathie-Professur ins Leben gerufen
Kategorie: Medizin · Kommentare: 91
Das bekannte Universitätsklinikum überrascht diese Woche mit einem Novum und beruft die Epidemiologin Claudia Witt auf den ersten Lehrstuhl für "alternative Medizin". Ihre zukünftigen Forschungsschwerpunkte lauten Homöopathie, Akupunktur und Quigong.
Als Nicht-Mediziner kann zu dieser Entscheidung der Charité relativ wenig sagen. Von den Medizinern in meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass diese gerade die Homöopathie mehr oder weniger für eine Pseudowissenschaft mit positiven Placebo-Effekten halten. Die Kosten für Quigong-Kurse - eine Art autogenes Training aus China - werden dagegen sogar von der AOK übernommen - auch wenn sich die Erläuterungen auf der AOK-Webseite ein wenig mystisch anhören:
Krankheiten sind in der TCM Ausdruck einer Störung im Fluss von Qi. Daher ist es nach diesen Vorstellungen möglich, durch ein gezieltes Lenken seiner Körperenergie gegen Krankheiten vorgehen. Durch die Qigong-Übungen soll also das Qi in die "richtigen Bahnen" geleitet werden. Vor allem bei chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Magen-Darm-Beschwerden, Asthma oder Rückenschmerzen kann ein Versuch mit Qigong nützlich sein.
Nun, wenn die AOK das so sieht, wird es schon stimmen. Aber zurück zur Charité. Prinzipiell würde ich ja hoffen, dass die neue Professur auch dazu beitragen könnte, unwirksame alternative Heilmethoden zu identifizieren und so ggf. zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den Sinn und Unsinn bestimmter Methoden beizutragen. Glaubt man aber der Berliner Zeitung, dann brauche ich mir solche Hoffnungen nicht zu machen, denn die Marschrichtung scheint klar vorgegeben zu sein:
Die Wirksamkeit etwa von homöopathischen Mitteln lässt sich bislang nur schwer nach den strengen Kriterien beurteilen, die bei klassischen Therapien üblich sind. Daher herrscht vor allem an den Unikliniken immer noch große Skepsis gegenüber den neuen Methoden. Die Berufung Witts soll dazu beitragen, dass sich das bald ändert.
Das klingt zunächst einmal äußerst ergebnisorientiert und wenig neutral - da kann man nur hoffen, dass der offensichtliche Bias in der Zielsetzung auf den Schreiber des Artikels und nicht auf die tatsächliche Zielvorgabe der Charité zurückzuführen ist. Denn leider ist auch die Finanzierung der Professur alles andere als neutral:
Finanziert wird die Professur von der Carstens-Stiftung, die der ehemalige Bundespräsident Karl Carstens Anfang der Achtzigerjahre zur Förderung von Naturheilkunde und Homöopathie ins Leben gerufen hatte.
Eine Stiftung für die Förderung von Naturheilkunde und Homöopathie finanziert also die erste deutsche Professur für "alternative Heilmethoden" - und das mit dem ausdrücklichen Ziel, die Skepsis gegenüber besagten Alternativmethoden aufzuweichen. Um das zu erkennen, reicht im übrigen schon ein Blick auf die Webseite der Carstens-Stiftung:
Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung fördert die wissenschaftliche Durchdringung von Naturheilkunde und Homöopathie sowie den wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchs; das langfristige Ziel ist die Integration der Komplementärmedizin in Forschung und Lehre der Hochschulmedizin.
Schaubild aus der Wikipedia: Kriterien bei der homöopathischen Mittelauswahl
Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen alternative Heilmethoden und traditionelle chinesische Medizin einzuwenden - aber dieser Artikel aus der Berliner Zeitung hat mir doch ein wenig zu denken gegeben. Was wäre denn, wenn demnächst die Malboro-Stiftung eine Professur zur Erforschung "alternativer Krebstheorien" finanzieren würde? Der Vergleich ist sicher inhaltlich unangebracht - aber in der Sache doch nicht vollkommen verkehrt, denn eine Zielvorgabe scheint ja durchaus zu existieren.
Es würde mich brennend interessieren, wie die mitlesenden Mediziner das sehen!
Autor: Christian Reinboth· 91 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (91)
Trotz aller Skepsis darf das "noch" nicht Erforschbare nicht immer als nicht-existent angesehen werden, zumindest - so denke ich - muss man damit rechnen, dass es auch Dinge gibt, welche mit unseren bisherigen wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnissen nicht fassbar sind....... Wenn man z.B. winzige Spuren von Duftmolekülen als Mensch weder riechen, noch messen kann, aber ein Hund auch noch hohe Verdünnungen aufspüren kann, dann gibt dies mir auch zu denken.
Gerade die Tierwelt ist voll von Beispielen mit Sinneswahrnehmungsmöglichkeiten, welche wir uns nur schwer vorstellen können und welche auf empirischem Wege auch schwer erfassbar sind. Oder das Problem in der Medizin, dass bei Medikamentenstudien auch immer "Placeboeffekte" herausgerechnet werden müssen, zeigt auch, dass selbst die Empirie immer mit vielen Unwägbarkeiten umgehen muss. Daher frage ich mich, ob sich die Wissenschaften als solche forschungstechnisch wirklich "festlegen" dürfen, oder ob jener Lehrstuhl nicht auch gerade notwendig ist, um im chronisch beengten Forschungsrepertoire eine "Erweiterung" zu erfahren....
@Monika: Weißt Du wieviele Peer reviewed Arbeiten es zum Thema Homöopathie, Akupunktur und co es gibt, die belegen, dass es sich dabei um Placebos handelt? Das Thema ist erforscht und es ist nach den Regeln der Vernunft und der kritischen Auseinandersetzung mit der angeblichen Wirksamkeit durchgefallen.
Und woher wissen wir überhaupt von Placebos? Woher wissen wir über die Funktion des Geruchssinnes? Durch wissenschaftliche Forschung. Es ist völlig absurd wissenschaftliche Forschungsergebnisse gegen wissenschaftliche Forschung einsetzen zu wollen. Ärzte geben offen zu, dass Ihre Medikamente Nebenwirkungen haben und forschen auf dem Gebiet und versuchen es zu verbessern? Die sind böse. Sogenannte Heiler, die was Wunders versprechen, die für jedes einzelne Leiden irgendwas im Repertoire haben - und völlige Risikofreiheit versprechen. Nur belegen können sie es nicht, muss man halt dran glauben und wer genauer nachfragt und nachbohrt ist ein Ignorant? Die sind gut.
Ich weigere mich eine Fachrichtung anzuerkennen, die sich von vornherein kritischer Überprüfung verschließt und am liebsten ein "Zutritt verboten"-Schild für Kritik, Vernunft und Qualitätsprüfung vor die Tür hängen möchte.
Was sollen das denn auch für Erklärungen sein, wie angeblich das Zeugs funktionieren soll? Energiebahnen? Ersetzen wir mal Energiebahnen mit Körpersäften und wir erhalten verblüffende Ähnlichkeiten mit medizinischem Aberglauben aus dem alten Europa. Hier wird einfach nur Jahrtausende alter Aberglaube mit Wohlfühlgeschwurbel als Wissen verkauft. Was kommt als Nächstes? Fangen wir jetzt wieder an für jedes Leiden die Leute zur Ader zu lassen, um die schlechten Körpersäfte abzulassen? Oder führen wir jetzt wieder Quecksilberkuren ein? Weil die Altvorderen sich niemals geirrt haben?
Es geht um die Gesundheit von Menschen und ich finde da sollte man immer ganz genau hinsehen - auch wenn es sich um angeblich ach so nebenwirkungsfreie "Therapien" handelt. Ach und übrigens: Wirkungslosigkeit ist auch eine Nebenwirkung. Wenn jemand durch ein Placebo Schmerzen unterdrückt, die aber z.B. lediglich Symptome eines Rückenleidens sind und das Rückenleiden infolge der Unterdrückung des Warnsignals immer schlimmer wird, dann ist das auch eine Nebenwirkung.
Mag sein, dass in überlieferten Heilungsvorschriften sich irgendwo ein wahres Korn versteckt und auch mal wirksame Stoffe vorkommen. Aber um die Spreu vom Weizen zu trennen, ist es zwingend notwendig, das auch zu überprüfen.
Zunächst einmal finde ich es gut, dass es so einen Lehrstuhl gibt. Mit der Finanzierung ist es so, wie bei anderen Finanzierungen auch, denn wenn die Pharmaindustrie ein Projekt unterstützt, dann bestimmt nicht, weil sie damit erreichen will, dass Naturprodukte in Vordergrund kommen. Geld von einer Stiftung ist da weniger problematisch.
Bei manchen Mediziner gilt, was nicht in Ihr Weltbild passt, darf nicht wahr sein.
Aber eine ganz persönliche Erfahrung mit Homöopathie. Seit über 30 Jahren habe ich, besser hatte ich Heuschnupfen.
Die Medikamente der Schulmediziner wurden immer stärker, aber es war nur eine Symptombehandlung.
Eine homöopathische Ärztin hat es geschafft, dass ich seit 5 Jahren nach Einnahme einger geringen Menge eines homöopath. Mittels die Heuschnupfenzeit ohne Probleme hinter mich bringe und zwar nicht eingeschlossen in der Wohnung sondern beim Wandern in der Natur.
Wenn das ein Placebo-Effekt ist, dann finde ich ihn gut und freue mich darüber, wie gut es mir geht, wenn ich Leidensgenossen sehe, die nur der Schulmedizin vertrauen.
Die Homöopathie ist erforscht, seit fast 200 Jahren bemüht man sich, wenigstens ansatzweise eine Wirkung zu belegen, seit 200 Jahren Fehlanzeige.
Jede Menge Leute wollen mit Homöopathie oder ähnlichem Mumpitz Geld machen, Geld um die Wirksamkeit zu belegen wär schon da. Und der Mensch kann die winzigen Duftspuren messen, die der Hund noch riecht, und die Sinneswahrnehmungen der Tiere sind unumstritten, der Mensch benutzt für deren Beobachtungen Werkzeuge und seinen Verstand.
Wie gesagt, seit 200 Jahren kein Nachweis, nur Feel Good.
@Ludmilla: Gerade im Hinblick auf die kritische Auseinandersetzung mit alternativen Heilmethoden und die Überprüfung ihrer Wirkung oder auch Nicht-Wirkung angeht, verwundert mich das Statement, dass die Einführung der Professur explizit dem Zweck dienen soll, die unter den Medizinern vorherrschende Meinung (Placebo) zu verändern. Denn wie neutral kann Forschung sein, die auf einer solchen Zielsetzung aufbaut? Und wenn dann auch noch die bundesweit größte Stiftung für Homöopathie die Forschungen bezahlt? Mir kommt das ein wenig wie ein Trojanisches Pferd der "Alternativ-Forschung" vor. Und das verwundert mich an einer deutschen Uni allemal...
@Monika: Es geht hier ja auch nicht ums generelle Schlechtreden alternativer Behandlungsformen. Bei meinem Tinnitus und meinem Magengeschwür helfen mir Entspannungsübungen auch oft mehr als Medikamente - einerseits wegen der stressbedingten Zusammenhänge und andererseits natürlich auch wegen des FeelGood-Effekts. Ganz allgemein helfen Dehnübungen, Entspannung und Kräutertee sicherlich immer mehr als sie potenziell schaden könnten - ob man nun aber eine solche Form der Behandlung mit der klassichen Medizin gleichsetzen kann, das wage ich doch zu bezweifeln.
Bei den homöopathischen Anwendungen stört mich besonders die extrem starke Verdünnung der Wirkstoffe (ich glaube das nennt sich dann Potenzen), die mich daran zweifeln lässt, ob überhaupt noch realistischerweise mit echten, nicht-psychologisch bedingten Reaktionen des Patienten auf besagte homöopathische Medikamente gerechnet werden kann. Darüber hinaus irritieren mich auch die häufig stark esoterischen Erklärungen für "alternative Medikamente", die sich leider oft kaum von naturreligiösen Ansichten unterscheiden lassen (die von Ludmilla genannten Energiebahnen sind so ein Aspekt) sowie die Tatsache, dass der viele Anbieter homöopathischer Erzeugnisse oder Therapien sich grundsätzlich nicht in die Karten schauen lassen wollen bzw. objektive Untersuchungen zur Wirksamkeit ablehnen.
Diesbezüglich vermute ich übrigens, dass uns ein Paradigmenwechsel ins Haus steht, denn immerhin deutet der Charité-Artikel ja schon dezent darauf hin, dass man die Homöopathie vielleicht grundsätzlich nach anderen, weniger strengen Kriterien beurteilen sollte ("Die Wirksamkeit etwa von homöopathischen Mitteln lässt sich bislang nur schwer nach den strengen Kriterien beurteilen, die bei klassischen Therapien üblich sind.").
@Christian: Du hast völlig Recht. Dieser Fall bestätigt die Befürchtungen derjenigen, dass mit externem Sponsoring auch die Freiheit der Forschung unter Beschuss gerät. Eben weil der Geldgeber dann auch z.T. Einfluss auf die Forschungsergebnisse (erwünscht, unerwünscht) nehmen können. Und dabei ist es auch egal, dass die Geldgeber hier meinen, dass sie ein hehres Ziel verfolgen. Einflussnahme ist Einflussnahme und damit eine Einschränkung der Freiheit.
@Christian: "Bei den homöopathischen Anwendungen stört mich besonders die extrem starke Verdünnung der Wirkstoffe (ich glaube das nennt sich dann Potenzen), die mich daran zweifeln lässt, ob überhaupt noch realistischerweise mit echten, nicht-psychologisch bedingten Reaktionen des Patienten auf besagte homöopathische Medikamente gerechnet werden kann."
Das mit der Verdünnung habe ich ja auch schon in einem meiner Artikel beschrieben: da ist überhaupt nichts mehr drin! Die Standardpotenz (C30) verdünnt 1 Gramm Wirkstoff mit 1060 Gramm Lösungsmittel! Es geht ja bei der Homöopathie alleine um die "heilende Information" die der Wirksstoff auf mysteriöse Art und Weise an das Lösungsmittel abgeben soll...
Und zur Frau Witt und ihrer Professur: Das hat meiner Meinung nach nichts mit objektiver wissenschaftlicher Forschung zu tun. Der Chef der Carstens-Stiftung sagt ja auch: "Ich bin überzeugt davon, dass Frau Professor Witt die wissenschaftliche Untermauerung der Komplementärmedizin und damit deren Akzeptanz in Deutschland mit großen Schritten voranbringen wird.". - das ist schon klar, was für "Ergebnisse" hier zu erwarten sind...
Ups - da ist wohl oben die Formatierung verloren gegangen. Ich mein natürlich nicht 1060 Gramm ;) Ein Gramm Wirkstoff wird mit 10 hoch 60 Gramm Lösungsmittel verdünnt! (das ist wesentlich mehr als die Masse der gesamten Milchstrasse!)
Ich freue mich auf den ersten von Christen finanzierten Lehrstuhl zur Erforschung des intelligenten Designs als Alternative zur Evolution.
Welch Unsinn! Das haelt man im Kopf doch nicht aus! Warum steigt der Unileitung kein Professor aufs Dach?!
@ Thomas: Gabs doch an der Wiener Uni auch (Mathias Dorcsi).
@Thomas: Eine solche ID-Professur wäre doch in Ordnung - an einer philosophischen oder theologischen Fakultät. Ein Biologie-Lehrstuhl für Intelligent Design dagegen wäre ein wenig bedenklich - vor allem wenn auch noch eine ID-Lobbygruppe als Sponsor auftreten würde. Genau das stört mich auch an der Homöopathie-Professur - eine medizinische Professur an der Charité und dann auch noch finanziert von einem Homöopathie-Institut - das mutet doch schon recht seltsam an.
Es wäre gut, die Begriffe auseinander zu halten; und nicht Homöopathie, Akupunktur (trad. chinesische Medizin ...), Anwendung von pflanzlichen Wirkstoffen und so weiter in einen Topf zu werfen. So lange sind z. B. (!!!) die Zeiten noch nicht vorbei, dass ernst zu nehmende Mediziner Digitalis und Strophantin als die (!) Mittel einer Herztherapie angesehen haben.
Andererseits sollte man auch den Einfluss der Pharmaindustrie auf die aktuellen Therapieformen nicht unterschlagen. Ein Thema zu Nachdenken darüber: die Grenzwerte für die Blutfettwerte. Galt vor ca 35 Jahren ein Wert von 300 noch als völlig normal, so gibt es heute bereits Mediziner, die einen Grenzwert von 100 fordern. - Nur weil es mittlerweile Statine gibt!? - Pfizer sei Dank!??
PS: Bin selber kein Mediziner und schon "uralt" (66), zähle nur den einen oder anderen zu menem Freundes-/Bekanntenkreis und bin Stiefsohn eines erfolgreichen Heilpraktikers, der manchem Arzt die Diagnose gerettet hat!
In anbetracht der doch recht abenteuerlich klingenden "Erklärung", warum so stark potenzierte Mittel eine Wirkung haben sollen, stellt sich mir folgende Frage: Sollte dem so sein, warum werden dann in unserem gewöhnlichen Trinkwasser nicht ebenfalls die "Informationen" von Urin gespeichert? Irgendwann ist das Wasser sicherlich einmal mit solchen Substanzen in berührung gekommen, nur hat es durch Filtrierung oder Verdunstung jegliche messbare Rückstände weit hinter sich gelassen. Technisch gesehen wurden diese Stoffe somit auch potenziert. Und dennoch sind keine Auswirkungen vorhanden und kein Homöopath hat Probleme damit solches Wasser zu trinken. Kommt es mir nur so vor, oder werden solche Konstrukte niemals zu ihrer logischen Konsequenz zuende gedacht, sondern nur soweit wie sich damit Geld verdienen lässt?
Darüber hinaus gibt es mit der Homöopathie noch weitere Probleme, abgesehen von dem statistisch fehlendem Wirkstoff: Selbst wenn man akzeptiert, dass das lächerliche Wirkprinzip der Homöopathie tatsächlich stimmt, dann heißt das noch lange nicht, dass die Wirkstoffe an sich gegen die Krankheit helfen. Das liegt daran, dass man davon ausgeht, dass Stoffe die ähnliche Syptome hervorrufen, welche ebenfalls bei der zu behandelnden Krankheit auftreten, aus irgendwelchen, mir unerfindlichen und mysteriösen Gründen diese Krankheit heilen sollen. Warum? Worauf basiert diese Annahme?
Des weiteren möchte ich noch sagen, dass Anekdoten keine verlässlichen Schlüsse zulassen. Anekdotenbeweise sind die mit Abstand schwächste Form von Belegen für eine erfolgreiche Behandlung (siehe Placebo). Aber trotzdem Danke für diese nette, kleine Geschichte, Herbert.
@ Christian Reinboth:
Achtung, Kritiker der VOLLKOMMEN UNVOREINGENOMMENEN Alternativmedizin-Professur an der Charite laufen in Gefahr, vom selbsternannten Frontkaempfer der deutschen Homoeopathielobby mit ausgesuchten Liebeswuerdigkeiten bedacht zu werden...
http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=131
Er schreibt gern elendslange PR-Texte in seinen eigenen Kommentarteil und wenn er ignoriert wird, dann wird er ganz boese und beginnt zu fantasieren...
http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=142
Und wenn ihm langweilig wird, dann kommentiert er seine eigenen Kommentare (das ist auch notwendig, weil ausser ihm selbst kommentiert dort naemlich niemand)...
http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=148
Mir zittern jetzt schon die Knie, weil wenn er diesen Kommentar entdeckt, dann widmet er mir wieder einen achtseitigen Beitrag - und diesmal vielleicht auch dir?!?
vG, Ulrich
Sorry fuer die seltsame Schreibe - bin auf Konferenz in Chicago und die haben hier alles, nur keine Umlaute...
@Ulrich: Über dieses Blog hab ich mich auch schon des öfteren amüsiert. Leider (?) hat der Autor die Scienceblogs anscheinend noch nicht entdeckt...
@phillip: Ich habe ja gar nicht vor, hier alles über einen Kamm zu scheren, sondern habe mich lediglich am Artikel aus der Berliner Zeitung orientiert - und da werden nun mal Homöopathie, Akupunktur und Quigong in einem Atemzug genannt...
@Ulrich Berger: Mit Kritik kann ich leben. Wer eine Professur mit einer so klaren Agenda ins Leben ruft, sollte meines Erachtens dann aber ebenfalls mit Kritik umgehen können. Wenn die GWUP an der Charité eine Professur mit dem Ziel der "kritischen Betrachtung alternativer Heilmethoden" finanzieren würde, wäre das Geschrei von der "anderen Seite" sicher noch sehr viel größer. Die Presseberichte zur neuen Professur und die Äußerungen aus der Carstens-Stiftung legen jedenfalls den Schluss nahe, dass Objektivität und Neutralität hier nicht gegeben sind.
Den Link zu ScienceBlogs sollte ihm vielleicht mal jemand schicken - bei der Kommentarfrequenz würde sich die Zahl meiner Kommentare ja glatt verdoppeln...
Ich ärgere mich jedesmal, wenn selbst ernannte Besserwisser versuchen den Menschen ihre Homööopathie, Bachblüten, Qui Gong, Akupunktur usw. wegzunehmen.
Denn soviel besser ist die Schulmedizin auch nicht.
Selbst wenn es wahrscheinlicher ist Entzündungen mit bestimmten Medikamenten bekämpfen zu können, ist auch die Schulmedizin nur eine Theorie und wenn andere Leute ihr Leid besser mit anderen Methoden ertragen können - oder dadurch sogar gesund werden können, wäre ich der letzte, der versucht sie deshalb bloßzustellen.
Aber an einer Universität haben diese Fächer der "Komplementärmedizin" nichts verloren. Die Charite hat sich mit dieser Professur ganz schön blamiert.
Die oben genannten Methoden können im therapeutischen Gespräch sehr nützlich sein und sollten meiner Ansicht nach von einem "Meister" zum Schüler weitergegeben werden.
Aber in einem Hörsaal??? Nein, die zugrundeliegenden Theorien sind so dürftig, dass man nicht zu tief graben darf, sonst würde keiner mehr damit behandeln und dann gäbe es keine Heilungserfolge mehr.
Und wer möchte nicht, dass es kranken Menschen besser geht?
@Peter: "ist auch die Schulmedizin nur eine Theorie": das erinnert mich fatal an die Aussagen von Kreationisten, die immer behaupten "Evolution ist ja auch nur eine Theorie". Das stimmt eben einfach nicht! Erstens ist das "nur" falsch und ausserdem ist alles in der Wissenschaft eine Theorie! Und Homöopathie & Co. sind alles andere als eine Theorie - das ist blanker Aberglaube. Und auch die "Wer heilt hat recht" Argumentation ist nicht immer angebracht. Ich hab das auch schonmal in meinem Blog geschrieben: Warum sollte es gerade im Gesundheitsbereich erlaubt sein, zu betrügen? Denn immerhin verkaufen die Homöopathen und Heiler ihren Patienten ja "Medikamente" ohne Wirkstoff, behaupten aber, es wären hochwirksame Medikamente die sich so gut wie bei jeder Krankheit anwenden lassen. In so gut wie jedem anderen Bereich wäre so ein Verhalten undenkbar - warum soll man gerade hier ne Ausnahme machen und diese unredliche Geschäftemacherei tolerieren? Ausserdem ist das so ungefährlich auch wieder nicht. Wenns nur um Schnupfen, Kopfschmerzen oder ne Allergie geht ist die Sache tatsächlich nicht tragisch - aber wenn die Leute im Glauben gelassen werden, es handle sich hier tatsächlich um funktionierende medizinische Therapien, dann werden sie irgendwann auch bei wesentlich ernsteren Krankheiten, wo eine vernünftige Behandlung unumgänglich wäre, auf die nutzlosen alternativen Therapien zurückgreifen (ein Beispiel). Und ganz schlimm wirds, wenn esoterisch verblendete Eltern ihren Kindern eine vernünftige medizinische Behandlung vorenthalten lieber zum Homöopathen o.ä. gehen. Analog zu deiner Aussage du wärst "der letzte, der versucht sie deshalb bloßzustellen." kann ich eigentlich nur sagen, ich wäre lieber der erste, der versucht sie deshalb bloßzustellen...
@Florian:
>"immerhin verkaufen die Homöopathen und Heiler ihren Patienten ja "Medikamente"
>ohne Wirkstoff, behaupten aber, es wären hochwirksame Medikamente ...
Stimmt. Aber das Gleiche tut die Pharmaindustrie bei vielen so genannten Over-the-Counter-Präparaten. Was gibt es nicht alles gegen Erkältungen zu kaufen – nichts davon heilt, kaum etwas lindert mehr als ein simpler Pfefferminztee. Und auch wenn es nur auf anekdotischen Erfahrungen beruht, wage ich die Aussage, dass auch Mediziner oft Sachen verschreiben, ohne sich der Wirkung ganz sicher zu sein ("Wir versuchen's mal mit Antibiotika ...") Ich finde, die - berechtigte - Kritik an der Homöopathie wäre unvollständig ohne Betrachtung der nicht immer unberechtigten Skepsis, die ihre Anhänger der Medizin entgegen bringen.
@Jürgen: "Die anderen machens aber auch" ist aber nun auch nicht wirklich ein Gegenargument (und von dir wohl auch nicht so gemeint). Trotzdem wird es gerne verwendet. Nur weil manche/viele Mediziner schlecht sind bzw. echte Medikamente Nebenwirkungen/keine Wirkungen haben heisst das ja nicht, Homöopathie wäre jetzt auf einmal gültig. Die Kritik an der Medizin (die sehr oft eigentlich eine Kritik am Gesundheitssystem und der Politik ist und nicht an der wissenschaftlichen Disziplin der Medizin) ist sicherliche berechtigt - sie hat aber nichts mit der Wirksamkeit der Homöopathie zu tun!
@Jürgen: Na ja. Natürlich hat die Medizin ihre Grenzen und natürlich ist Schatten, wo auch Licht ist und natürlich ist Medizin auch mal mit Rätselraten verbunden und woher wissen wir das? Durch medizinische Forschung.
Woher wissen wir, dass Homöopathie Grenzen hat? Durch medizinische Forschung.
Woher wissen wir von Placebos? Durch medizinische Forschung.
Woher wissen wir von psychosomatischen Störungen? Durch medizinische Forschung.
Auf der einen Seite haben wir natürlich fehlbare Mechanismen, die aber immerhin grundsätzlich eine Überprüfung zulassen und funktionierende Erklärungen geben.
Haben die Alternativmediziner auch nur annähernd einen ähnliche Mechanismus zur Qualitätskontrolle? Oder funktionierende Erklärungen? Abgesehen davon, dass das magische Brimborium allen Naturgesetzen widerspricht. Die behaupten allen Ernstes, dass sich in den vergangenen 100, 1000 etc. Jahren nichts an ihrem Wissen verändert hat. Wie glaubhaft ist das denn? Angeblich nichts falsch gemacht? Nichts dazu gelernt? Wow, die Gründer der Alternativmedizin müssen allwissende Heilige gewesen sein und wenn etwas Neues in die Alternativmedizin kam oder Dinge verbessert wurden. Wo kam dieses Wissen dann her? Wo kommt das Wissen her, dass man z.B. Akupunturnadeln sterilisieren sollte? Medizinische Forschung, welche so komische Viecher wie Bakterien entdeckte!
Was hat der Medizin gegenüber bitte schön die Alternativmedizin auf der Habenseite außer dem Wellnessfaktor? Und wir wollen mal nicht so tun, als ob die Alternativmediziner alles kleine Engelein sind, die nicht ihr finanzielles Wohl im Sinn haben.
Ich bin absolut dafür den Wellnessfaktor mehr in die "normale" Behandlung einzubinden und mehr bei der Ausbildung der Ärzte darauf zu achten, dass die Psyche des Menschen, seine Lebensumstände eine wichtige Rolle bei der Gesundung/Erkrankung spielen. Diese "ganzheitliche" Betrachtungsweise sollte nicht etwas sein, auf das die Alternativen ein Monopol haben. Dann sollten wir diesen Faktor aber auch in unser Gesundheitssystem einbauen und es den Mediziner vergüten, wenn die ihre Patienten nicht im Viertelstundentakt durchschleusen, sondern sich Zeit nehmen. Das ist nämlich auch so ein vernachlässigter Aspekt.
Ich finde sowieso diese Unterscheidung zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin unsäglich. Das ist doch - leider höchst erfolgreiche - Propaganda seitens der Alties. Es gibt nur eine Medizin, nämlich die, welche sich mit der Heilung der Menschen beschäftigt und die gleichzeitig auch eine Überprüfung zulässt. Wer sich gegen letzteres grundsätzlich verwahrt und Sonderregeln in Anspruch nimmt, sollte mit Misstrauen betrachtet werden.
Mag sein, dass Placebos ihre Berechtigung haben, wenn die Medizin keine Antworten weiß oder die Nebenwirkungen im keinen Verhältnis zum Erfolg stehen. Bei Tinnitus, bei chronischen Schmerzen, bei Allergien. Meinetwegen. Dennoch bleiben es Placebos und ich brauch dafür jetzt nicht weiß Gott was für eine Ideologie drum herum bauen. Was sind denn Placebos anderes als der medizinische Ausdruck für die von Alternativen vielbeschworenen - und oft überschätzten - Selbstheilungskräfte?
Im Übrigen sollten auch die Patienten miteinbezogen und vielleicht sogar erzogen werden. Ich behaupte, nicht wenige Leute verlangen förmlich nach Erkältungsmitteln, selbst wenn man ihnen 10mal sagt, dass es kaum etwas bringt. Ich behaupte, nicht wenige Leute haben dieses mechanistische Weltbild verinnerlicht, dass es für jedes Zipperlein auch ein Pillchen gibt. Dass es für jedes Problem eine Lösung geben muss. Natürlich freuen sich die Pharmaunternehmen darüber, ist doch klar.
Und die Alternativen nicht? Behaupten die Homöopathen nicht, dass sie für jedes Unwohlsein ein Kügelchen haben? Für jede Beschwerde eine Diagnose? Für jede Beschwerde ein Kräuterlein, eine Massage, was weiß ich? Das ist doch exakt dieselbe mechanistische Betrachtungsweise nur eben ohne Nebenwirkungen da keine Hauptwirkung und eingepackt in eine schöne Geschichte.
Aber ist auch das nicht einfach nur ein Rumdoktern an den Symptomen, ohne die Ursachen zu beheben?
Beispiel: Wenn eine völlig überforderte Mutter vor lauer Stress diffuse Beschwerden entwickelt, ist das ein Wunder? Der normale Arzt wird kein organisches Leiden feststellen können, außer vielleicht erhöhten Blutdruck. Ein guter Arzt wird vielleicht merken, dass die Frau Stress hat und ihr eine Kur verschreiben, damit sie wenigstens mal etwas ausspannen kann. Aber unmittelbar direkt kann er ihr nicht helfen, außer ihr den Rat zu geben, dass sie Stress abbauen muss.
Was die Frau aber wahrscheinlich schlecht umsetzen kann. Und was, wenn die Frau dieses krankhafte Bild im Kopf hat, dass sie zu funktionieren hat? Egal was kommt und das Überlastung ein Zeichen von Schwäche ist?
Dann wird sie sich vielleicht an einen Akupunkteur wenden und der Wellnessfaktor wird natürlich dafür sorgen, dass sich sofort entspannt und sich wohler fühlt. Kurzurlaub vom Stress sozusagen. Was im Grunde genommen nichts anderes ist, als das, was der Arzt ihr gesagt hat, aber ihr nicht direkt geben konnte.
Ist ja auch zunächst super. Sie fühlt sich gut. Kurzfristig.
Denn natürlich werden die Beschwerden wiederkommen, weil der Stress ja nicht verschwindet. Und so wird sie sich immer und immer wieder zur Akupunktur begeben, das auch brav bezahlen, weil es ihre Symptome lindert und sie weiter funktionieren kann. Aber das Grundübel bleibt bestehen: Völlige Überforderung der Frau.
Im Grunde genommen hilft die Akupunktur der Frau einen Zustand aufrechtzuerhalten, der eigentlich unhaltbar ist. Und ich behaupte, dass das gar nicht so selten ist.
Muss ich das jetzt toll finden und in den Himmel loben oder ist das nicht eine subtile Art der Nebenwirkung bei den ach so tollen Alternativverfahren?
Ich habe den Eindruck, dass viele Nichtmediziner vollkommen überzogene Vorstellungen davon haben, was die Möglichkeiten der Schulmedizin angeht.
Tatsächlich wissen Mediziner viel weniger, als sich viele Patienten vorstellen, wünschen oder "glauben".
Die besten Heilungen sind immer noch rätselhaft und unzählige Operationen überflüssig.
Fast alle Medikamente haben Nebenwirkungen und bei mindestens 30 Prozent der Patienten wirken die verschriebenen Medikamente (trotz eindeutiger Indikation) überhaupt nicht.
Meiner Ansicht nach ähnelt daher das Einfordern von wissenschaftlich begründeter Medizin, zusammen mit dem Versuch "unseriöse Komplementärmedizin" abzuschaffen, in höchst unangenehmer Weise dem kommunistischen Streben nach der einen Theorie für alle Bereiche. Den dazugehörigen Terror haben viele scheinbar schon wieder vergessen.
Ach und Ludmilla, solange es der Medizin nicht gelingt Knorpel in Gelenken zum Wachstum zu bringen, oder eine Bauspeicheldrüse herzustellen, sollten wir lieber 100 Medizintheorien haben, als nur die eine, die wir derzeit glauben überprüfen zu können - oder du stellst dir mal vor, du musst jemanden, der einen Angehörigen wegen einer Medikamentenvergiftung verloren hat, erklären weshalb Naturmedizin immer schlecht ist.
Ich denke jeder Skeptiker sollte sich fragen, ob er einem Homöopathen, der vor allem gut zuhören kann, nur deshalb die Patienten wegnehmen will, weil er selber nicht an die heilende Kraft von gutem Zuspruch glaubt.
@Peter: Wie wäre es bitte, wenn Du erst mal meinen Kommentar durchliest, bevor Du auf mich eindrischst. Ich habe ausdrücklich befürwortet, dass sich Mediziner mehr Zeit für Zuspruch und für das Umfeld des Patienten zu nehmen. Davon, dass ich dem heilenden Zuspruch die Wirksamkeit abspreche kann also überhaupt keine Rede sein.
Muss ich aber um die Kraft des heilenden Zuspruches zu erhalten, unbedingt eine magische Ideologie drumherum bauen?
Ist eine ehrliche Wissenschaft mit all ihren Unzulänglichkeiten und Schwächen tatsächlich soviel schlechter als eine magische Sichtweise, die gar nicht richtig sein kann, sich aber gut anhört und meinetwegen gut anfühlt? Und die gleichzeitig jegliche Kritik am liebsten im Keim ersticken möchte?
Das unendliche Verdünnen von Stoffen ist Schwachsinn. Das zuhören nicht.
Muss ich den Schwachsinn tolerieren, um das gute Zuhören zu bekommen? Oder könnten wir vielleicht den Schwachsinn rauswerfen und das gute Zuhören stärker in die bestehende Medizin einbauen.
Meinst Du übrigens, dass es uns irgendwie sachlich weiterbringt, wenn Du nur alles Negative in die Medizin reinprojizierst, dabei aber nicht im mindesten bereit bist, auch nur im Ansatz die Vorteile der modernen Medizin anzuerkennen? Du gehst doch auch mit einem Beinbruch zu einem normalen Arzt? Wenn Du Dir den Blinddarm entzündest, begibst Du Dich auch in die Hände eines Chirurgen oder etwa nicht?
Natürlich machen Ärzte Fehler und das System ist verbesserungswürdig. Aber der Ansatz, die Funktionsweise des Körpers immer weiter mit Vernunft zu erklären statt mit einer fix und fertigen Ideologie, der funktioniert so gut, dass es uns immerhin gelungen ist, die Pocken auszurotten und die Lebenserwartung deutlich zu verlängern.
Was natürlich auch Probleme mit sich bringt.
Aber reines Ärzte-Bashing und unkritische Kniefälle vor den Alternativmediziner können ja wohl nicht die Antwort auf berechtigte Kritik sein.
@Peter: Im Übrigen würde ich den trauernden Angehörigen gegenüber, wenn sie nach einer Medikamentenvergiftung jemanden verloren haben, sicherlich keine Werbung für irgendein heilendes System machen. Die brauchen Trost. Punkt. Also unterstell mir hier nicht eine Position, die ich so niemals vertreten habe und niemals vertreten würde.
Natürlich sind solche Fälle schlimm und man sollte versuchen, solche Fälle auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Das ist keine Frage, weiß auch jeder.
Und es ist ein Strohmann-Argument, weil es darum hier gar nicht geht. Es geht hier nicht um die Kehrseiten der Medizin. Die beackerst Du hinlänglich in Deinem eigenen Blog. Es geht hier darum, dass Alternativmediziner für sich Sonderrechte in Anspruch nehmen und sich gegen vernünftige Kritik und Kontrollen verwahren.
Bitte schön säuberlich trennen.
Klar, medizinischer Alltag ist manchmal tückisch und verbesserungswürdig. Natürlich ist da die Alternativmedizin mit ihren Heilsversprechen verführerisch. Das macht deren magisches Bromborium nur leider auch nicht wahrer oder besser als zumindest den Versuch zu unternehmen, die Dinge zu verstehen. Oder sollen wir wieder nicht existierende Knochen im Herzen annehmen, weil das irgendjemand mal vor Jahrhunderten behauptet hat, statt Leichen zu sezieren und mal nachzuschauen, ob da wirklich was ist und danach auch unsere Therapien anzupassen?
Übrigens ist das mit den Tücken des Klinikalltags absolut kein Problem der fehlenden Wirksamkeit der Medizin und oder zeigt, dass Medizin ganz allgemein böse ist, sondern das ist meist ein Zeichen mangelnder Finanzierung, fehlenden Personals, verbesserungswürdiger Ausbildung. Nicht mehr und nicht weniger.
Daraus aber zu folgern, dass man die gesamte Medizin einfach mal in die Tonne tritt, das ist gefährlich.
Es gibt leider genügend Fälle in denen Patienten z.B. an Krebs krepiert sind, weil sie eben genau diesen Fehler gemacht haben.
Hallo Ludmilla,
ob mangelnde Finanzierung wirklich der Grund ist, weshalb die meisten Kliniken so miserabel sind ... sei mal dahingestellt.
Ich habe jedenfalls überhaupts nichts gegen das magische Theater von Schamanen und Homöopathen einzuwenden.
Meiner Ansicht nach ist das sogar große Kunst, die man am besten entspannt genießen sollte, etwa so wie einen großen US-Actionfilm, der grundsätzlich ja auch gute Unterhaltung bietet, wenngleich die Logik an manchen Stellen auf der Strecke bleibt.
Aber um wieder zum eigentlichen Punkt zurück zu kommen.
An einer Universität hat so ein Theater nichts verloren. Die Charite hat mit dieser Professur der Beliebigkeit nachgegeben und sich lächerlich gemacht. Das ist wirklich sehr, sehr peinlich.
Ich glaube, dass wir hier über zwei nicht ganz deckunsggleiche Begriffsvorstellungen von "Homöpathie" diskutieren: So wie Medizin sowohl die Wissenschaft/Lehre/Praxis bezeichnet als auch - umgangssprachlich – das, was man auf Anraten dieser Wissenschaftler und Praktiker einnimmt ("haste heut schon deine Medizin genommen?"), so gibt es auch die Homöopathie als "Lehre" und die Homöopathie = das Präparat, das mir der Apotheker verkauft. Noch mal, zur Klarheit: Jawohl, ich bin sicher, viele homöopathische Mittel werden von WISSENSCHAFTLICH ausgebildeten Pharmazeuten verabreicht.
Während letztere eigentlich nichts anderes sind als harmlose Zuckerkügelchen, die ihre Wirkung als Placebo gerade daraus beziehen, dass der Einnehmende gar nicht weiß, dass sie nicht wirken (was ja auch für die Erkältungsmittel aller Art gilt), ist die "Lehre" viel gefährlicher und verdient jede Silbe der Kritik, die Florian und Ludmila hier geäußert haben.
Aber wenn mein Sohn nicht schlafen kann, weil er Angst vor Alpträumen hat, oder jenes diffuse "Bauchweh" bekommt, das sich manchmal bei Kindern einstellt, wenn sie nervös sind (wegen der Schule, zum Beispiel), da bin ich dann schon dankbar für diese "Medizin", von der ich weiß, dass sie keinerlei (Neben-)Wirkungen hat.
Lieber Jürgen,
sonst bin ich ja immer gerne einer Meinung mit Dir, aber dass die Lehre der Hömöopathie eine Gefahr darstellt und bekämpft werden muss - halte ich dann doch für übertrieben.
Da werden Spatzen zu Elefanten hochstilisiert.
In Deutschland arbeiten vor allem Heilpraktiker, aber auch Ärzte als Homöopathen. Für die Heilpraktiker gelten strenge Vorschriften über Krankheiten, die sie behandeln dürfen und jene, die anderen, die "meldepflichtig" sind - also wo sie nichts weiter machen dürfen, als die Patienten zum nächsten Arzt oder Krankenhaus zu schicken.
Alleine schon durch diese Regelung lässt sich ausschließen, dass Leute mit Blinddarmdurchbruch mit Kügelchen behandelt werden.
Dass sich andererseits derzeit jedoch viele ältere Menschen zu Naturmedizinern hingezogen fühlen und selbst nach schweren Erkrankungen wie Krebs (und einer grundsätzlich ersten schulmedizinischen aber erfolglosen Behandlung) irgendwann anfangen lieber Kügelchen zu schlucken, mag ich ihnen nicht vorwerfen. Nicht jeder schätzt im Alter die Vorzüge einer Magensonde ...
Wenn es überhaupt in der Medizin eine Lehre gibt die verboten werden sollte, dann ist das meiner Ansicht nach immer noch die Psychoanalyse (nicht zu verwechseln mit Psychotherapie!). Keine andere Theorie hinterlässt so viele Scherben, nutzt so hintersinnig Menschen aus und zerstört so viele vertrauensvolle Beziehungen.
@Peter: Aber eine ärztliche Approbation ist in Deutschland nicht zwingend erforderlich. Und wir sprechen hier auch über Therapien, die alles andere als sanft sind. Bei der Neuraltherapie z.B. werden lange Nadeln in den Rücken gestochen. Dabei sind bereits einige Menschen gestorben.
Findest Du das nicht merkwürdig?
Wie ich bereits oben geschildert habe. Dort wo "normale" Medikamente nicht helfen oder mehr Schaden anrichten, als sie gut tun, da haben Placebos durchaus ihre Berechtigung. Den von Dir geschilderten älteren Menschen würde ich ihr Placebos nicht wegnehmen wollen. Völlig ok.
Aber ich muss dafür jetzt nicht eine Ideologie - und Homöopathie ist eine Ideologie, die man kritiklos zu glauben hat - akzeptieren, die auf Schwachsinn beruht und die versucht, Kontrollmechanismen aufzuweichen oder für sich Sonderrechte reklamiert. Das Recht einem Menschen eine lange Nadel in den Rücken zu stecken, ohne das eine ausreichende medizinische Vorbildung zwingend erforderlich ist, das ist ein solches Sonderrecht.
Und im Übrigen wird es ohne ausreichende medizinische Ausbildung etwas schwer, eine Krankheit zu erkennen, die man lieber an einen "normalen" Arzt weiterreichen sollte.
Liebe Ludmilla,
Neuraltherapie und Homöopathie? Ich dachte immer, ich wäre derjenige, der unsachlich wird und die Dinge durcheinander bringt.
Zum Glück sind Ärzte mit Approbation und Promotion ja um so vieles besser.
Die führen zum Beispiel ihre Aderlass Behandlungen immer sechs Tage vor Vollmond durch? Das ist doch planetenstark - oder?
http://www.hildegardvonbingen.info/aderlass/index.php
@Peter: Was schmeiße ich hier durcheinander? Gehören oder gehören nicht Homöopathie und Neuraltherapie zum großen schönen breiten Deckmäntelchen Alternativmedizin?
Es geht doch um diese ganzen Quark der so genannten Alternativverfahren, oder etwa nicht? Und die Neuraltherapie ist da sicherlich die schlimmste - aber sie ist nun mal ein Teil dieser Richtung. Und ehrlicherweise sollten wir sie somit aufzählen, um mal zu verdeutlichen, wie sagenhaft toll es ist, wenn man für einen ganzen Therapiebereich Sonderregeln einführt und Kritik von vornherein nicht zulässt.
Du bist doch derjenige, der gerne die dunkle Seiten der Medizin bemüht. Darf ich dann auf der anderen Seite nicht die dunklen Seite der Alternativmedizin bemühen?
Warst Du nicht derjenige, der mit Ärzten anfing, die Homöopathie anwenden? Ich vermute mal, um zu verdeutlichen, wie toll die Homöopathie doch kontrolliert wird. Schön, ich hab nur richtiggestellt, dass die Ärzteausbildung nicht notwendig ist und schon ist es Essig mit der Kontrolle.
Denn wie soll ein Heilpraktiker, gleich welcher Richtung, ohne eine zwingend vorgeschriebene medizinische Ausbildung überhaupt erst eine ernst zunehmende Krankheit diagnostizieren? Ich meine, wenn das so einfach wäre, eine schwere Krankheit zu erkennen, ja, dann könnten wir uns den Scheiß mit der langen medizinischen Ausbildung und dem ganzen Studium doch sparen, nicht wahr?
Und was ist? Setzt Du Dich mit meiner Kritik und den Fragen auseinander? Sehe ich nicht? Stattdessen weichst Du den Fragen einfach aus und baust Dir Nebenschauplätze.
Und schon wieder kommst Du mit Deinem Ärzte-Bashing an. Hmm, geht es um Ärzte? Hmm, eigentlich nicht, es geht um Alternativmediziner und deren seltsame Vorstellungen, wie die Welt angeblich funktioniert und die Sonderregeln für sich einführen möchten.
Aber wenn Du meinst...
*Ironie*
Och, unter Ärzten gibt es auch völlig durchgedrehte Spinner? Also abgesehen von Ärzten, die auf die Heilsversprechen der Homöopathie reinfallen. Was? Ärzte sind nicht alle durch die Bank weg rationale engelsgleiche Wesen? Ja, ne, wer hätte das gedacht. Unglaublich!
*Ironie aus*
Na, mal im Ernst. Was hat das a) mit dem Thema zu tun? und b) was soll das beweisen?
Außer, dass man in jeder Berufsgruppe ein paar Spinner findet, weil Ärzte *unglaublich!* auch Menschen sind?
Und weißt Du, was ich gerade bei Dir seltsam finde?
Du bist doch hier der große Ärzteabwatscher. Wenn man Deine Texte liest, dann könnte man meinen, dass Ärzte die personifizierten Anti-Christen wären.
Aber jetzt wo es um Alternativmediziner geht, da frisst Du auf einmal Kreide und erweist Dich als völlig kritiklos. "Och lasst die doch mitspielen! Och die tun doch niemandem weh!" Sind die Alternativmediziner alles dufte Typen? Die nie etwas falsch machen? Das ist doch mal sehr unrealistisch.
Äh, hallo? Es geht immer noch um die Gesundheit von Menschen? Es geht immer noch im Menschen, die in einem Heilberuf drinstecken? Und es geht *Überraschung* um schön viel Geld, das man mit der Gesundheit machen kann. Insbesondere wenn man den Leuten Zeugs andreht, das sie nicht wirklich brauchen. Und zwar sowohl Erkältungsmedizin wie auch nutzlose Zuckerkügelchen.
Wieso legst Du hier auf einmal zweierlei Maß an? Bloß weil es schwarze Schafe unter den Ärzten gibt, heißt das noch lange nicht, dass alle Heilpraktiker auf Knien anzubetende Heilige sind und nicht auf ihre Kosten kommen wollen.
Ach ja und Ärzte, die wieder dem Aderlass vor dem Vollmond huldigen und Ärzte, die Wirkstoffe unendlich verdünnen und meinen, dass das Wasser sich mysteriöserweise daran erinnert... Was ist denn da für ein großer Unterschied? Ist beides Schwachsinn und war bis vor kurzem beides nichts, was man an der Uni lehrte - eben weil es Schwachsinn ist. Aber zumindest der eine Schwachsinn hat sich an die Uni gemogelt, eben weil zu viele Leute sagen: Och, ist doch nicht so schlimm! Wenn es hilft! Hach, die Medizin hat nicht alle Antworten. Medizin ist doch sowieso Mist. Wissenschaft ist nicht alles. Usw. Usf.
Woah, hier werden ja richtige Giftfässer aufgemacht ... Ein idealer Platz, wo ich mich gleich zwischen mehrere Stühle setzen kann. Denn einerseits muss ich Peter insofern Recht geben, dass es ja nicht zuletzt die Mängel der medizinischen Profession sind, die Homöopathie überhaupt als Alternative interessant machen. Und nein, Ludmila, diese Mängel sind keine rare Ausnahme. Dafür habe ich selbst schon zu viele Ärzte erlebt, die ihre Patienten nicht ernst nehmen; die vorschnelle Diagnosen abgeben und dann lieber den Patienten vorhalten, dass sie sich die Symptome, die nicht in dieses Diagnosebild passen, nur einbilden; die modernere (wissenschaftlich erforschte!) Behandlungsmethoden ablehnen, weil sie das schließlich schon immer so wie früher gemacht haben; die unnötige Operationen durchführen (denk nur an all die Kaiserschnitte!), usw. usw. Dies ist natürlich kein NATURWISSENSCHAFTLICHES Problem, sondern ein soziales, aber praktische Medizin ist eben nicht einfach nur angewandte Naturwissenschaft.
Aber andererseits muss ich Peter widersprechen (und Ludmila Recht geben), dass jede Naturheilkunde, die sich als ALTERNATIVE (= entweder - oder) zur Medizin begreift, ein extrem gefährliches Potenzial birgt. Und wenn sie, wie die Homöopathie, noch nicht mal schlüssig erklären kann, was sie da treibt (über den Unsinn der Potenzierungen kann man wirklich nur den Kopf schütteln), hat sie noch nicht mal einen ansatzweisen Anspruch auf Glaubwürdigkeit.
Aber die Frage war doch: Soll man Homöopathie an den Hochschulen lehren? UNBEDINGT! Hä? Wie ar das? Jawohl, denn dann muss sie sich in einem echten wissenschaftlich-medizinischen Umfeld behaupten und muss ihre Hypothesen, Theorien und Erkenntnisse einem Peer-Review-Prozess unterziehen – und wird dabei wird sich dann zeigen, ob sie auch ohne solche Abstrusitäten wie ein selektives Gedächtnis von Wassermolekülen stehen kann. So lange an den Universitäten auch Fächer wie Theologie und, jawohl, Psychologie gelehrt werden - die sich ja auch auf ihre Weise als Heil(s)berufe verstehen, obwohl sie mit Naturwissenschaft und Medizin nix am Hut haben - ist sicher auch Platz für Homöopathie
@Jürgen Schönstein:
"Jawohl, denn dann muss sie [die Homöopathie] sich in einem echten wissenschaftlich-medizinischen Umfeld behaupten und muss ihre Hypothesen, Theorien und Erkenntnisse einem Peer-Review-Prozess unterziehen – und wird dabei wird sich dann zeigen, ob sie auch ohne solche Abstrusitäten wie ein selektives Gedächtnis von Wassermolekülen stehen kann."
Pinzipiell vollkommen richtig - das Problem im Charité-Fall ist doch aber, dass die neue Professur für alternative Heilmethoden von einer Stiftung bezahlt wird, deren explizites Ziel die Förderung solcher Heilmethoden ist. Um nochmal das Zitat aus der BZ zu bemühen:
"Die Wirksamkeit etwa von homöopathischen Mitteln lässt sich bislang nur schwer nach den strengen Kriterien beurteilen, die bei klassischen Therapien üblich sind. Daher herrscht vor allem an den Unikliniken immer noch große Skepsis gegenüber den neuen Methoden. Die Berufung Witts soll dazu beitragen, dass sich das bald ändert."
Und auf den vielsagenden Kommentar des Chefs der Carstens-Stiftung hatte Florian ja auch schon verwiesen:
"Ich bin überzeugt davon, dass Frau Professor Witt die wissenschaftliche Untermauerung der Komplementärmedizin und damit deren Akzeptanz in Deutschland mit großen Schritten voranbringen wird."
Das klingt nicht so, als ob der die Einrichtung des Lehrstuhls primär dazu dienen soll, eine unabhängige und methodisch saubere Untersuchung alternativer Heilmethoden zu ermöglichen. Für mich klingt es eher danach, als seien die Ergebnisse bereits vorweggenommen - erklärtes Ziel der Stiftung ist es, durch die Einrichtung der Professur die Skepsis der medizinischen Fachwelt gegenüber alternativen Heilmethoden abzubauen und diese im Mainstream zu verankern. Das ist es, was mich an der Sache stutzig macht - wie mich eben auch eine von Malboro finanzierte Medizin-Professur zur Erforschung alternativer Krebstheorien oder eine von den Baptisten gesponsorte Biologie-Professur zur Erforschung alternativer Evolutionstheorien stutzig machen würden. Man kann, glaube ich, bei einem so offensichtlichen Interessenkonflikt nicht einfach prinzipiell davon ausgehen, dass auch objektiv und neutral geforscht wird.
Denn nehmen wir einfach mal an, Frau Prof. Witt würde im Rahmen ihrer ersten Studie schlüssige Beweise dafür entdecken, dass z.B. Quigong nicht mehr ist als ein psychologisches Plazebo. Könnte sie solche Ergebnisse realistischerweise publizieren, ohne damit rechnen zu müssen, dass die Gelder für ihre Professorenstelle bei nächster Gelegenheit wieder gestrichen werden? Gäbe es also klare Incentives dafür, möglichst nur aus Sicht des Geldgebers positive Ergebnisse zu veröffentlichen? Wie wahrscheinlich ist es, das ein Wissenschaftler seinem eigenen Geldgeber quasi mit den eigenen Forschungsergebnissen die Existenzberechtigung absprechen wird?
@Jürgen: Wieso zwischen allen Stühlen? Ich denke, Du hast das Problem zutreffend zusammengefasst. Wo es in unserem deutsche Gesundheitssystem hapert, das wäre sicherlich ein eigener großer komplexer Sachverhalt. Aber völlig d'accord. Es ein soziales Problem und nicht ein Problem, des Systems naturwissenschaftliche Medizin. Das versuche ich eigentlich die ganze Zeit zu sagen. Das ist allerdings den Leuten schlecht zu vermitteln, die enttäuscht von den Ärzten gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Was ich allerdings auch irgendwo nachvollziehen kann.
Nur ich glaube nicht, dass einseitiges Ärzte- und Pharma-Bashing die Lösung der Probleme sein kann. Ich meine, klar das ist groß in Mode und sicherlich allzuoft berechtigt, aber es trifft dummerweise auch die, die was verändern wollen. Meine Sache ist das einfach nicht.
Was Deine Schlussfolgerung angeht, kann ich Dir dann aber doch nicht ganz folgen. Nur weil es vereinzelt noch historisch bedingte Bastionen an der Uni sind, die sich gegen die naturwissenschaftliche Methoden verwahren, heißt das noch lange nicht, dass das ein Freifahrschein sein kann, um die naturwissenschaftliche Ausbildung aufzuweichen.
@Christian:
>"Wie wahrscheinlich ist es, das ein Wissenschaftler seinem eigenen Geldgeber quasi mit
> den eigenen Forschungsergebnissen die Existenzberechtigung absprechen wird?"
Exakt Null, würde ich schätzen. Aber das gilt für jede Wissenschaft, die sich von den Geldern von Sponsoren abhängig macht. Und das ist ein viel grundsätzlicheres und ärgerliches Problem, das sich leider überhaupt nicht auf die Frage beschränkt, ob Homöopathie etwas an den Unis zu suchen hat.
@Ludmila:
Ich bin halt ein unverbesserlicher Fan vom Wettbewerb der Ideen. Und die Universität sollte eigentlich DER Markt für Ideen schlechthin sein. Wenn dort Schrott angeboten wird (was ja nun mal grundsätzlich zur Freiheit des Marktes, äääh, der Lehre gehören sollte, auch wenn's andere ärgert), dann wird er im grellen Tageslicht viel besser als solcher erkannt, als wenn man ihn weiterhin in selbst gewählten Ecken an ahnunglsose Kunden verdealen lässt. Wenn Homöpathie sich nicht mehr auf Alternativschauplätze zurückziehen kann, sondern mit "echten" Wissenschaften in den Ring treten muss, wirds sich zeigen, ob und was an ihr wirklich dran ist. Und vielleicht, viiiieeellleicht (gaanz voorsichtig) bleibt sogar ein Nutzen für die Medizin dabei übrig.
Dr. Iris Bell hat eine gute Präsentation über die Forschung den Nachweis der Homöopathie unter diesem Link:
http://youtube.com/watch?v=wYO6nNQGe1M
Dr. Louis Rey, in der Schweiz und Dr. Rustum Roy, in Amerika, sind Forschung in Bezug auf die theoretischen Grundlagen der Homöopathie.
www.rustumroy.com
und...
Physica A: Statistical Mechanics and its Applications
Volume 323, 15 May 2003, Pages 67-74
Thermoluminescence of ultra-high dilutions of lithium chloride and
sodium chloride
Louis Rey
Received 10 December 2002.
Available online 28 February 2003.
"Ultra-high dilutions of lithium chloride and
sodium chloride (10-30 gcm-3) have been
irradiated by X- and ã-rays at 77 K, then
progressively rewarmed to room temperature.
During that phase, their thermoluminescence
has been studied and it was found that,
despite their dilution beyond the Avogadro
number, the emitted light was specific of
the original salts dissolved initially."
I repeat the conclusion for EMPHASIS:
"IT WAS FOUND THAT,
DESPITE THEIR DILUTION BEYOND THE AVOGADRO
NUMBER, THE EMITTED LIGHT WAS SPECIFIC OF
THE ORIGINAL SALTS DISSOLVED INITIALLY."
Es gibt keinen Grund für die hysterischen Attacken gegen Homöopathie
Monika ist richtig.
Eine intelligente Hund weiß mehr als Profiteur Dr. Ernst.
Außerdem ist das Konzept der "Placebo"
ist eine Rationalisierung wertlos.
Nichts mehr.
@Jürgen: Diesen Marktplatz der Ideen, den gibt es doch schon: Peer Reviewed Publications.
Die Aussage, dass sich etwas unendlich verdünnen lässt und es sich das Wasser dennoch selektiv an diesen einen Stoff erinnert und alle anderen Stoffe vergisst, die auch mal drin waren...Das ist doch eine sehr außergewöhnliche. Wie viele Publikationen gibt es dazu? Herr Panozzi zeigt ja, dass es ab und an tatsächlich die eine oder andere positive Veröffentlichung gibt. Wobei mich eine Veröffentlichung in einem etwas renommierterten Journal irgendwie mehr beeindrucken würde ;-)
Ein paar Veröffentlichungen mit einer so spektakulären Aussage? Dem gegenüber stehen wesentlich mehr Arbeiten, die nichts finden können? Wieviele Arbeiten gibt es nur in einem einzigen Jahr zu der konventionellen Medizin? Die Zahl wird in die tausende gehen. Die Homöopathie wurde also bereits ans Licht der Öffentlichkeit gezogen, gewogen und für doch etwas arg leicht befunden.
Inwiefern soll die Lehre an der Uni das jetzt noch besser hinkriegen?
Die meisten Menschen setzen doch kaum einen Fuß in die Uni und können daher kaum mitkriegen, was da los ist. Und selbst wenn...Was sollen die dann sehen?
Das einzige, was sie da zunächst sehen ist, dass Homöopathie an einer ordentlichen Uni gelehrt wird. "Super", werden sich daraufhin nicht wenige denken. "Wenn das sogar an einer Uni gelehrt wird, dann muss ja wohl was dran sein."
Ich kann mich einfach nicht des Eindruckes erwehren, dass hier das Prestige einer Uni regelrecht gekauft wird, um einer Anti-Wissenschaft Seriosität zu verleihen. Und ich kann das nicht gut finden.
@ James Pannozzi:
Um Ihre Begeisterung über Louis Rey und Rustum Roy ein wenig zu trüben, darf ich Sie einladen, sich hier zu informieren:
http://kritischgedacht.wordpress.com/2008/01/21/ein-gigabyte-pro-liter/
PS: Youtube-Videos als Referenz ist ein wirklich guter Gag...
Oh viele danke Berger, aber ...
"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Wasser,
als uns die Schulweisheit lehrt." (apologies to Will S.)
An einer sehr schönen Stelle konnte man bei ScienceBlogs lesen:
Ich mag die Erde, weil es der einzige Ort im Universum ist, an dem es Schokolade gibt.
Diese teilweise unsägliche Diskussion zeigt jedoch, dass manche Leute auf dieser Erde vorschreiben wollen, welche Schokoladensorte es geben darf und welche nicht.
Die Schokolade mit aktivierenden Placebokügelchen gehört verboten, wohingegen die aus Fett, Kakao, Milch, Zucker und Honig weiterhin verkauft und gegessen werden darf.
… in solchen Momenten bin ich froh, dass Leute, die den ganzen Tag in den Himmel gucken, nicht die Gesetze für die Menschen auf der Erde machen - denn wie traurig wäre es hier, wenn man den Menschen vorschreiben wollte, was sie trösten darf und was nicht.
@Jürgen, @Panozzi. Die Homöopathie gehört genauso wenig an eine Universität wie Stühlerücken, Kaffeesatzlesen und Tarotkarten.
Obgleich man mit allen Methoden Leute gesund machen kann – was auch vielerorts geschieht – macht sich eine Universität, die sich dem wissenschaftlichen Denken verpflichtet fühlt, lächerlich, wenn sie Homöopathie auf den Lehrplan schreibt.
Wir in Deutschland können das sogar besser beurteilen, als der Rest der Welt, da wir Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie) und seine Briefe im Original lesen können. Ich finde übrigens nicht, dass sein Werk irgendwie gefährlich klingt.
Aber weshalb man Medizinstudenten zwingen soll seine „Reine Arzneimittellehre“ (1811-1821) oder sein „Organon der Heilkunst“ (1818) zu lesen, erschließt sich mir nicht.
@Pannozzi Meinetwegen können sich auch andere Mediziner daran machen, die Prinzipien der Hömöopathie wissenschaftlich zu beweisen. Ich denke jedoch weiterhin, dass das nicht der richtige Weg ist.
Hömöopathie ist eine Heilkunst und wirkt am besten, wenn der Behandler und der Patient daran glauben, es reicht aber auch, wenn der Behandler stark davon überzeugt ist.
Wenn dies zutrifft, stellen sich teilweise erstaunliche Heilerfolge ein. Ein wissenschaftlich skeptischer Geist wird jedoch – meiner Ansicht nach – nie Heilerfolge mit der Methode erzielen.
… und wer möchte schon einen Thomas zwingen zu glauben? Wodurch wir wieder bei der Schokolade angekommen sind.
Danke für all die engagierten "Homöopathiegegerkommentare" ;-)
Übrigens: Ich zähle mich nicht zu den engagierten Homöopathieanhängern ;-)
Dennoch bin ich immer noch der Auffassung, dass es Sinn macht, wenn der umstrittenen Homöopathie die Chance eingeräumt wird, in der "Hochschullehre" einen Platz einzunehmen.
Denn m.E. reicht die aktuelle medizinische Ausbildung und Lehre nicht aus. Es braucht "Gegengewichte", neue Denkansätze, welche die vielfältigen Ursachen, Wechselwirkungen und die Komplexität der Funktionsweise des menschlichen Organismus zu erfassen versuchen. Diese Diskussion erschüttert mich ein wenig, denn sie scheint mir zu ideologisch gefärbt......Ein echter Homöopathiegegner müsste doch hier die Chance sehen, dass jenes Gebiet endlich "fachmännisch" durchleuchtet werden kann. Und dass die Homöopathie bereits abschließend erforscht ist, wage ich zu bezweifeln. Das wäre dann der erste humanmedizinische Bereich, welcher bis ins letzte Detail abschließend erforscht wäre?
Kaum zu glauben, angesichts derartig vieler offener Fragen in der medizinischen Forschung (und nicht nur dort)....
Viele leidgeprüfte Kranke können ein Lied davon singen, wie unzureichend die aktuelle medizinische Diagnostik und Therapie ist, wie wenig die komplexen Nebenwirkungsgeschehen von Behandlungen bekannt und erforscht sind, wie wenig bekannt ist über Spätschäden medikamentöser Behandlungsstrategien, wie viele Krankheitserscheinungen weder bekannt und/oder nicht einmal in Ansätzen verstanden und erforscht sind. Und auch schon seit langem bekannte Erkrankungen sind bezüglich ihrer Verursachung und Therapie nur unzureichend erforscht. Vieles, was Mediziner machen ist ein reines "Herumexperimentieren" am Menschen......
Es wird doch sehr schnell und leicht vergessen, dass reine empirische Forschung immer nur Einzelergebnisse liefern kann. Die Ergebnisse muss "Mensch" in einen logischen Zusammenhang stellen und hier beginnen schon die ersten Unwägbarkeiten.
Ich hoffe zumindest, dass dabei der "neue" Forschungszweig "Homöopathie" die klassische medizinische Forschung dazu zwingt, auch sich selbst stärker zu reflektieren...
Bislang konnte die klassische Medizin einen "Alleinherrschaftsanspruch" ausfüllen, welche durchaus des Öfteren nicht einmal wissenschaftlich begründet ist. Nur das Menschenbild der "klassischen" Apparatemedizin dominiert das medizinische Handeln.... In diesem Sinne gehe ich konform mit Peter. Es ist an der Zeit, dass jegliche medizinische Forschung und "Heilsgläubigkeit" sachlich hinterfragt wird. Meines Erachtens ist der Ausschluss einer vermeintlich "nutzlosen" Disziplin dabei nicht immer hilfreich.....
So würde ich mir auch wünschen, dass z.B. noch ein Lehrstuhl der "Esoterik" eingerichtet werden würde. Denn damit könnte mancher untragbare Mythos ein jähes Ende finden, wenn die "Autorität" der Wissenschaft der "heilsgläubigen" Masse dann mitteilte, was Sache ist......
@ Monika:
"Denn damit könnte mancher untragbare Mythos ein jähes Ende finden, wenn die "Autorität" der Wissenschaft der "heilsgläubigen" Masse dann mitteilte, was Sache ist......"
Das halte ich für einen frommen Wunsch :-)
(ich meine, daß die Gegenargumente eines Esoterik-Professors die Esoterik-Befürworter mehr überzeugen würden als die Gegenargumente irgendeines anderen Professors)
@ Thilo
"Das halte ich für einen frommen Wunsch :-)
(ich meine, daß die Gegenargumente eines Esoterik-Professors die Esoterik-Befürworter mehr überzeugen würden als die Gegenargumente irgendeines anderen Professors)"
Tja denn....., müssten wir uns überlegen ob der ganze Wissenschafts- und Forschungsapparat überflüssig ist ;-), wenn alles darum nur "Glauben" und fromme Wünsche sind....
Welcher "irgendein"Professor beschäftigt sich denn in seinen "Forschungen" und "Analysen" mit Esoterik? Wahrscheinlich keiner, denn das ist nicht ihr Gebiet....daher kommen die "Gegenargumente" höchstens von Wissenschaftlern, welche die Professoren-Universitäts-Autorität eher nicht haben....;-))
Bezüglich der "frommen Wünsche" möchte ich dann noch weiter gehen und behaupten, dass keine "Fakultät" im Wissenschaftsbetrieb eine breite, empirische Basis, fundiertes logisches Denken, frei von gesellschaftlich geprägten Voreinstellungen und Vorurteilen, pflegt bzw. pflegen kann.
Tja auch die "strengen Naturwissenschaften" scheitern am Chaos, an Komplexität, an Unwägbarkeiten und Nicht-Berechenbarkeiten.... Ist es nicht so, dass irgendwo Wissenschaft so gesehen nur exzentrische und egozentrische Wichtigtuerei ist? ;-))))....und damit nicht viel besser als das, was manche so gerne "glauben" - eben eine Glaubensideologie an "das noch-nicht-Erforschte bzw. das nicht Erforschbare" contra der Glaubensideologie an "vermeintlich wissenschaftlich Erwiesenes (natürlich unter Leugnung des nicht wissenschaftlich erforschten Anteils)" ........... Hier könnten wir auch das Los sprechen lassen, wer nun davon der "Wahrheit" näher kommt....manche glauben gar, sie würden die "Wahrheit" kennen ;-))
@ Monika:
Es gibt genug Beispiele in der Geschichte, wo sich Theorien gegen "gesellschaftlich geprägten Voreinstellungen und Vorurteilen" durchgesetzt haben.
Ein schönes Beispiel wäre etwa die Relativitätstheorie.
Aber Theorien haben sich eben durchgesetzt, weil sie nachprüfbar waren.
Zum Beispiel wurde die Relativitätstheorie erst von einer breiteren Öffentlichkeit anerkannt, als man 1919 bei einer Sonnenfinsternis die von der Relativitätstheorie vorhergesagte Verschiebung der scheinbaren Position der Sterne nahe der Sonne beobachten konnte. (Und es dauerte noch bis 1940, bis die letzten Skeptiker unter den Physikern ihren Widerstand aufgaben.)
RICHTIGE Theorien setzen sich also auch dann durch, wenn es zunächst viele Widerstände gibt. Trotz aller "Unwägbarkeiten und Nicht-Berechenbarkeiten". Und auch ohne, daß man vor Bestätigung der Theorie erst Professuren einrichten muß.
Herr Artmann et al.,
Es ist echte Wissenschaft, gibt es keinen Zweifel.
Sie können nicht verhindern die Homöopathie mit Spott,
nur mit echter Wissenschaft.
Und echte Wissenschaft beginnt zu validieren.
Und was jetzt, töten Forschung?
Und dann beklagen, dass es keine Forschung?
Sie sind in Verachtung der Wissenschaft zu glauben eine solche Sicht.
Monica hat recht.
Hier ist der Link zu einer letzten Aussprache über die Homöopathie.
http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&_udi=B6WXX-4RJXWNR-7&_user=10&_coverDate=01%2F31%2F2008&_rdoc=7&_fmt=high&_orig=browse&_srch=doc-info(%23toc%237170%232008%23999029998%23678364%23FLA%23display%23Volume)&_cdi=7170&_sort=d&_docanchor=&_ct=26&_acct=C000050221&_version=1&_urlVersion=0&_userid=10&md5=b6f3bb1a55629613ff75ec485996a622
Die, die gegen die Homöopathie sind, denken nicht logisch.
Sie behaupten nur das gegenteil, ohne concrete wissenschaftliche ergebnisse zu haben.
Lieber Thilo, bezüglich Deiner Antwort habe ich zum besseren Verständnis noch eine Frage: Inwieweit ist aus Deiner Sicht die Relativitätstheorie mit homöopathischen "Wissensbeständen" vergleichbar?
So wie ich Dein Kommentar verstanden habe, wirkt das auf mich wie ein Vergleich wie Äpfel mit Birnen, möglicherweise, weil ich von Dir bzgl. meines Kommentares missverstanden worden bin?
Aus meiner Sicht, ist Homöopathie in der Bevölkerung, als auch bei vielen praktizierenden Ärzten, bei Heilpraktikern etc.pp ja weit verbreitet. Über Homöopathie existieren "Glaubenssysteme", welche ebenso vielfältig sind, wie die unterschiedliche Herkunft ihrer Vertreter.
Die Relativitätstheorie ist zunächst einmal eine Theorie, welche sich als "Lehrstuhl" nicht einrichten lässt ;-) Des weiteren wird sie wohl kaum von weiten Teilen der Bevölkerung vertreten oder diskutiert. Es gibt viele Menschen welche die Relativitätstheorie weder kennen, noch verstehen.....
Ich will mal versuchen, aus anderer Perspektive zu erläutern, was ich meinte:
Bildlich gesprochen gibt es auf der einen Seite den "Elfenbeinturm der Wissenschaft und Wissenschaftler" und auf der anderen Seite das reale Leben - in der Wissenschaftlersprache - die Praxis.....
Auch im "Elfenbeinturm der Wissenschaft" tummelt sich vieles, was meilenweit von wissenschaftlichen Fakten und empirischer Forschung entfernt liegt. Solche Bereiche dürfen sich dort "tummeln", weil diese schlicht "historisch" gewachsen sind. Insbesondere die Geisteswissenschaften repräsentieren - je nach Vertreter - jene kontemplativen Bereiche mehr oder weniger intensiv..... Manche jener Vertreter - wie z.B. die Psychologie - nahmen dankbar die Empirie in ihre Wissenschaft auf und können heute viele - kontemplativ entstandenen - Annahmen zwischenzeitlich empirisch belegen.
Nun meine Überlegungen zum Verhältnis zwischen Praxis und "wissenschaftlichem Elfenbeinturm":
Homöopathie und Esoterik sind mit Wirksamkeitsauffassungen belegte Bereiche, welche sowohl von Wissenschaftlern, als auch von Laien im realen Leben vertreten werden. Die einen vertreten diese möglicherweise nur aus rein kommerziellem Interesse, die anderen weil sie neben unbefriedigender klassisch medizinischer Ergebnisse nach Alternativen suchen und daran glauben.
Die große Schwierigkeit der empirischen Wissenschaft zur Widerlegung von "Glaubenssystemen" ist der berühmt berüchtigte "Placeboeffekt". Jener funktioniert so hervorragend, dass - alleine über den Glauben - somatisch messbare Veränderungen verursacht werden können. Der Placeboeffekt ist daher auch ein schwer handhabbares Problem in der medizinischen und pharmazeutischen, als auch psychotherapeutischen Forschung. Mit viel Einfallsreichtum müssen Wissenschaftler ihre Versuchsanordnungen so gestalten, dass der "Placeboeffekt" aus den statistischen Untersuchungen klar herauszurechnen ist.
Nun frage ich zum Schluss noch einmal: Soll sich Wissenschaft tatsächlich weiter in ihrem gut abgeschotteten Elfenbeinturm aufhalten und die vielen "Glaubenssysteme" dort belassen wo sie sind, sich weiter also nicht darum kümmern, oder sollte Wissenschaft nicht untersuchen, diskutieren und belegen, was tatsächlich Sache ist oder auch zu benennen, was sich eventuell gar nicht messen lässt?
Insofern lande ich aus einem anderen Blickwinkel bei Deinem Beispiel zur Relativitätstheorie: Hier ging es zunächst auch einmal um ein reines Gedankenkonstrukt, es war umstritten....Einsteins Lebensweg zeigt, dass man ihn sehr lange als Wissenschaftler gar nicht wahrgenommen hatte....Anfangs war er der "Esoteriker" in den Augen der Wissenschaft. Sein Glück: Er war hartnäckig genug geblieben, bis er selbst dorthin kam, wo er einst ablehnt worden war und ganz langsam auch andere für seine scheinbar "abwegigen" Gedanken gewinnen konnte....
@ James Pannozzi
Ich bin weder eine Gegnerin, noch eine Vertreterin der "Homöopathie". Ich persönlich habe zwar gute Erfahrungen mit einzelnen Medikamenten in weniger hohen "Verdünnungen" gemacht, was jedoch nicht heißen muss, dass seinerzeit der Glaube an die Wirksamkeit auch in meinem Körper einen somatisch sichtbaren "Placeboeffekt" hervorgerufen hatte ;-)
Insofern wäre ich an einer ernsthaften wissenschaftlichen Analyse interessiert. Es muss endlich geklärt werden, ob das Präparat oder der Placeboeffekt viele Menschen und Ärzte zu überzeugten Homöopathieanhängern gemacht haben......
Immerhin könnte man dann etliche "Placebos"(auch mentale), welche ich für unverzichtbar halte als Cent-Artikel produzieren und man könnte sich aufwendige und immens teure Extraktions- und andere Verfahren zugunsten auch weniger CO2-schädlicher Verfahren sparen ;-))
Ich hatte Relativitätstheorie nicht mit Homöopathie vergleichen wollen.
Von Medizin im allgemeinen und Homöomopathie im besonderen habe ich Null Ahnung und werde mich dazu auch nicht äußern. Aber in Ihrem Kommentar von 23:30 ging es ja auch überhaupt nicht um Homöopathie, sondern um einen Rundumschlag im Konflikt Wissenschaft-Esoterik. Nur darauf bezog sich mein Kommentar.
(Die Relativitätstheorie hat sich übrigens nicht nur wegen Einstein's Hartnäckigkeit durchgesetzt, sondern weil sich die Ablenkung des Lichts durch Gravitation anhand von Beobachtungen nachprüfen ließ. )
@Monika:
Hier ging es zunächst auch einmal um ein reines Gedankenkonstrukt, es war umstritten....Einsteins Lebensweg zeigt, dass man ihn sehr lange als Wissenschaftler gar nicht wahrgenommen hatte....Anfangs war er der "Esoteriker" in den Augen der Wissenschaft. Sein Glück: Er war hartnäckig genug geblieben, bis er selbst dorthin kam, wo er einst ablehnt worden war und ganz langsam auch andere für seine scheinbar "abwegigen" Gedanken gewinnen konnte....
Nein.
Tut mir leid, diese Aussage ist auf verschiedenen Ebenen sachlich einfach falsch.
Du scheinst zu denken, dass die Relativitätstheorie etwas ist, was sich Einstein im Vakuum ohne Input aus den Fingern gesogen hat. Relativitätstheorie steckt in der Natur der Dinge einfach drin. Einstein war allerdings derjenige, der mit sehr wenigen Puzzleteilchen in der Hand (Maxwell-Theorie, Newtonsche Mechanik, fehlgeschlagene Experimente zur Suche nach dem Äther) die Natur der Welt als erster richtig erkannt hat.
Im Übrigen hat Einstein eine mathematisch, logisch nachvollziehbare und vor allem empirisch überprüfbare Theorie mit ganz konkreten Aussagen geliefert. Ein Teilchen wird bei x% Lichtgeschwindigkeit y% schwerer. Das ist ja wohl ein bisschen mehr als ein "Gedankenkonstrukt".
Diese konkrete, objektive Aussage ist nicht auch nur annähernd vergleichbar mit der diffusen und sehr subjektiven Aussage: "Ich hab keine Ahnung wie, aber wenn ich das hier den Leuten gebe, dann fühlen sie sich irgendwie besser."
Deswegen hat Thilo Recht die Relativitätstheorie als Kronzeuge der Wissenschaft aufzurufen. Weil hier demonstriert wird, was Wissenschaft ist und wie sie funktioniert und dass die Homöopathie dagegen wissenschaftlich einfach nichts zu bieten hat.
Im Übrigen ist diese Legende des einsamen Wissenschaftsgenies gegen die Widerstände der Zeit genau das. Eine Legende, die sich aber nicht wirklich mit den Lebensdaten belegen lässt. Auch Einstein arbeitete nicht im luftleeren Raum sondern tauschte sich mit Gleichgesinnten aus. Ich erinnere da mal an seine Frau Mileva. Sein Freund Marcel Großmann?
Einsteins Lebensweg zeigt, dass man ihn sehr lange als Wissenschaftler gar nicht wahrgenommen hatte
Ach wirklich? Ein Blick in seine Biographie belegt irgendwie etwas anderes.
Dass er sich zunächst als Patentbeamter verdingen musste, lag nicht daran, dass seine wissenschaftlichen Arbeiten abgelehnt wurden. Die gab es damals noch gar nicht, sondern daran, dass er an der Uni u.a. wegen Nichtanwesenheit glänzte.
Als er dann anfing wissenschaftlich zu arbeiten, ging es aber dann auf einmal ganz schnell.
1905 im Alter von 26 Jahren publizierte er seine Arbeiten in den angesehenen "Annalen der Physik". Komische Unterdrückung ihn da veröffentlichen zu lassen und das ohne Doktor. Er hat 1905 seine Doktorarbeit eingereicht und bekam den Doktortitel im Januar 1906. Die Berufung auf die Professur folgte 1909 und zwischenzeitlich publizierte er fleißig weiter. Wo sind denn da die ach so großen Widerstände gegen die er kämpfen musste?
In 4 Jahren vom Patentbeamten zum Professor, na das nenne ich mal wahrhaft große Widerstände.
Sicherlich gab es da auch bekannte und einflussreiche Persönlichkeiten, die sich mit den kontraintuitiven Aussagen nicht anfreunden konnten. Das waren dann aber menschliche Fehlverhalten und nicht ein Versagen der Methode "Wissenschaft".
Denn die Wissenschaft hat die konkreten Aussagen Einsteins überprüft und experimentell bestätigt. Deswegen hat sich Einstein durchgesetzt, weil er die Realität richtig beschrieb und nicht wegen seiner Hartnäckigkeit. Obschon Hartnäckigkeit sicherlich nicht verkehrt war. Hätte sich allerdings auch nur eine Aussage Einsteins als falsch erwiesen, dann hätte Einstein noch so hartnäckig sein können. Die Theorie wäre dennoch falsch gewesen.
Und im Übrigen, selbst wenn Einstein die Relativitätstheorie nicht gefunden hätte, wäre sie irgendwann später formuliert worden und zwar spätestens bei der Entwicklung von Teilchenbeschleunigern und Raumsonden und im Rahmen der normalen Astrophysik, weil die Forscher irgendwann festgestellt hätten, dass es da so seltsame Phänomene gibt, die sich nur mit der Relativitätstheorie erklären lassen.
Die mathematisch logischen empirisch belegbaren Arbeiten Einsteins jetzt in eine Reihe mit Leuten zu stellen, die für ihre subjektiven, objektiv nicht zu belegenden und den Naturgesetzen widersprechenden Wischi-Waschi-Aussagen auch noch Sonderregeln einführen möchten, das finde ich ehrlich gesagt ziemlich unverschämt. Gerade Einstein war ein Empiriker.
Es gibt nur eine Naturwissenschaft und zwar die, welche konkrete objektive be