Turiner Grabtuch erneut Thema zu Ostern PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Amardeo Sarma   
Montag, 24 März 2008

Manche Mythen sind wie die von James Randi beschriebene Gummiente. Man kann sie noch so oft in Wasser eintauchen, sie springen wieder hoch. Zu Ostern 2008 war es wie so oft wieder so weit, und Journalisten in aller Welt fielen erneut auf die "Echtheitsdiskussion" über das Turiner Grabtuch ein. Der BBC2 TV Kanal am Samstag, 22. März, will wieder einen gelösten Fall zum Mysterium machen. "Experten" finden sich genug. Rageh Omar, der für BBC2 recherchiert, fragt: "Wenn es eine mittelalterliche Fälschung ist, wie wurde das Bild erzeugt? Bis jetzt konnte es niemand erklären." In einer anderen Meldung heisst es, "nach Auffassung des italienischen Wissenschaftlers Giulio Fanti" sei das Tuch "keine Fälschung aus dem Mittelalter", sonder "aus der Zeit Jesu". Wieder werden "Berechnungsfehler", Verunreinigungen bis hin zu einem gezieltem Komplott verdächtigt. Kritiker "wissen nicht, wovon sie reden" - so einfach ist das. Eine "Strahlung von großer Intensität" wird als viel naheliegender angegeben, als eine Malerei. Mit allen Mitteln soll das Tuch aus Turin offenbar mit Hilfe von Journalisten wieder ins Land des Wunschdenkens geretten werden. Ostern ist offenbar eine ideale Zeit, um Mythen und Legenden wiederzubeleben. 

Ist denn im Jahre 2008 irgend etwas neu? 

Die C-14 Datierung steht nicht allein dar 

Die C-14 Datierung ist nicht allein der Grund, an einem Abbild Jesu aus der Zeit von vor 2000 Jahren zu zweifeln. Schon zuvor sprach einiges für das Werk eines Malers aus dem 13. bzw. 14. Jahrhundert und gegen ein Abbild einer historischern Person im 1. Jahrhundert:

  • Fehlende (robuste) historische Belege für die Existenz den Tuches vor dem 14. Jahrhundert.
  • Der Brief vom Bischoff Pierre d'Arcis an den Papst 1389, der über die Untersuchung seines Vorgängers Henri de Poitiers berichtet. Sie fanden heraus, dass das Tuch auf listiger Weise "durch menschliche Fertigkeit" gemalt sei, was vom Maler auch attestiert wurde!
  • Daneben das Problem, dass kein natürliches Verfahren ohne menschliches Zutun bekannt ist, ein solches Abbild "automatisch" zu erstellen. Nebenbei: wir könnte auch eine übernatürlich erzeugte Strahlung ein Abbild erzeugen? Eine Lichtquelle auch in Menschenform würde sogar auf eine photographische Platte unter idealen Bedingungen keine Kontouren hinterlassen. Dagegen ist mehrfach demonstriert worden, wie ein sehr ähnliches Abbild mit einem Basrelief oder gar als einfache Malerei erzeugt werden kann.

Die C-14 Datierung selbst

Andererseits ist es sicher richtig, dass die C-14 Datierung selbst nicht ideal war, aber aus anderen Gründen, als meist von "Sindonologen" angegeben Es gab zwei Probleme in dem ganzen Verfahren 1988, denn seitens  katholischer Kirchenvertreter wurde das mühsam ausgehandelte "Turiner  Protokoll" für die Altersbestimmmung aus dem Jahre 1986 gegen den Widerstand der beteiligten Wissenschaftler ausgehebelt.  Einmal ging es darum, dass ursprünglich 7 Labore das Tuch untersuchen  sollten, wovon eine Probe ein "Dummy" sein sollte (Turiner Protokoll,  Zusammenfassungspunkt 3). Bei drei Proben hätte man durch einen  möglichen Ausreisser das Ganze vergebens gemacht. Zweitens sollte die  Entnahme gefilmt werden (Turiner Protokoll, Zusammenfassungspunkt 7). In einem Brief an das Wissenschaftsjournal Nature bemerkte dabei noch Dennis Dutton (Ausgabe vom 24. März 1988), dass das Verfahren für eine Entnahme nicht lupenrein genug sei, um die Authentizität der entnommenen Proben zu garantieren. Er befürchtete, die Proben könnten prinzipiell ersetzt werden, und er wollte diesen Methodischen Fehler vermeiden.

Während das erste Problem (glücklicherweise) ausblieb, ist das 2. Problem aus einem ganz anderen Grund eines geworden. Diese methodische Schwäche liefert, wie es sich jetzt leider zeigt, die Basis für Verschwörungstheorien. Obwohl insbesondere die beteiligten katholischen Vertreter kein Eigeninteresse an einem "jungen" Datum haben dürften wird ihnen vorgeworfen, mit den Wissenschaftlern Originalstücke durch einen mittelalterlichen Ersatz ausgetauscht zu haben. Aber das vermeidbare methodische Problem wurde zugelassen.

Entspricht das Tuch den historischen Tatsachen? 

Die Merkmale auf dem Tuch entsprechen den Berichten aus den Evangelien, allen voran dem Johannes-Evangelium, das sehr wahrscheinlich letzte Evangelium, das erst im 2. Jahrhundert entstand. Weder das Johannes Evangelien, noch die drei sogenannten synoptischen Evangelien sind Augenzeugenberichte, und gehen noch nicht mal auf Gespäche mit solchen Augenzeugen zurück. Sie sind vielmehr erst ein halbes Jahrhundert nach der Zeit entstanden sind, zu der das alles
geschehen sein soll. Die Berichte in den Evangelien sind alles andere als einheitlich, und insbesondere das Johannes-Evangelium weicht erheblich von den drei synoptischen Evangelien ab.

Wenn in einer solchen Situation ein Bild so sehr mit den Evangelien übereinstimmt macht es einem stutzig. Viele Details in den Evangelien versuchen weniger historische Tatsachen festzuhalten, als die Geschichte als Erfüllung von Prophezeiungen darzulegen, zum Beispiel die Speerwunde nach Johannes 19: "sondern einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus", "Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde (2.Mose 12,46): »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.«" und "(Sacharja 12,10): »Sie werden den sehen, den sie durchbohrt haben.« ". Die Speerwunde folgt im übrigen die künstleriche Tradition und wird auf der rechten Seite gezeigt (hierzu sagen die Evangelien nichts).

Ganz offensichtlich lieferten die Evangelien sowie andere Kunstgegenstände der Zeit eine hervorragende Vorlage für einen begabten Künstler im frühen 14. Jahrhundert, der sich ans Werk machte, und über seinen Erfolg heute stolz sein könnte. In einem stimme ich den Grabtuchbefürworteren dieser Tage zu. Das Werk ist keine Fälschung, es ist ein Original eines innovativen Künstlers aus dem 14. Jahrhundert!

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