| Parawissenschaft |
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| Montag, 30 Juni 2008 | |||||
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Eine Parawissenschaft (gr. para = neben) ist ein außerhalb der Wissenschaften (aber nicht unbedingt außerhalb des universitären Wissenschaftsbetriebes) angesiedelter Erkenntnisbereich, dessen Theorie und Praxis weitgehend auf illusionärem Denken beruht. Damit kann der Anspruch eines solchen Erkenntnisunternehmens, verlässliches Wissen über Welt oder Mensch zu erlangen oder erlangt zu haben, nicht eingelöst werden. Demgegenüber können andere nichtwissenschaftliche Erkenntnisbereiche, wie etwa die Alltagserkenntnis, durchaus verlässliches Wissen produzieren. Wird neben dem einfachen Erkenntnisanspruch auch der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhoben, bezeichnet man eine Parawissenschaft als Pseudowissenschaft. In der Alltagssprache sowie in der internationalen Literatur ist das Wort „Pseudowissenschaft“ (engl. pseudo-science) häufiger anzutreffen als „Parawissenschaft“ (para-science), wobei es je nach Kontext im engeren oder weiteren Sinne verwendet wird. „Parawissenschaft“ ist daher eine neuere, an die Bezeichnung „Parapsychologie“ angelehnte Wortbildung, die es erlaubt, den Begriff „Pseudowissenschaft“ auf seine engere Bedeutung zu beschränken. Viele Para- bzw. Pseudowissenschaften verfolgen vornehmlich praktische Ziele und können daher auch als Para- bzw. Pseudotechnologien bezeichnet werden. Bereiche, die im Verdacht stehen, Parawissenschaften zu sein, sind z.B. Astrologie, Homöopathie, Kreationismus, Parapsychologie, Radiästhesie usw. Damit solche Kandidaten für Parawissenschaften nicht vorschnell oder unrechtmäßig in die Kategorie Parawissenschaft eingeordnet werden, müssen deren Aussagen und Methoden sorgfältig untersucht werden. Dazu bedarf es verschiedener Kriterien zur Unterscheidung bzw. Abgrenzung von Wissenschaft und Parawissenschaft. Solche Kriterien sind teils deskriptiv, teils normativ [7, 11]. Die Beschreibung der Tätigkeiten bestimmter menschliche Gruppen, die Erkenntnis über einen bestimmten Gegenstandsbereich gewinnen wollen, ist Aufgabe der (wissenschaftlichen) Wissenschaftssoziologie. Die Bewertung der von diesen Gruppen verwendeten Methoden als tauglich oder untauglich und des durch sie gewonnenen Wissens als gerechtfertigt oder ungerechtfertigt ist eine Aufgabe der normativen Erkenntnistheorie bzw. der Wissenschaftsphilosophie. Diese Aufgabe können nur meta-wissenschaftliche Betrachtungen erfüllen. Auch der Einzelwissenschaftler, etwa der Biologe oder Physiker, der eine Theorie oder Methode innerhalb oder außerhalb seiner eigenen Disziplin kritisch betrachtet, erhebt sich dabei über sein wissenschaftliches Tun hinaus und begibt sich vorübergehend auf eine metawissenschaftliche Ebene, von der aus die eigene oder fremde Disziplin reflektiert wird. Dennoch ist es nicht Hauptaufgabe der Einzelwissenschaften, Wissenschaftsphilosophie zu betreiben. Daher kann auch die Wissenschaftssoziologie diese normative Funktion nicht übernehmen, weil sie als wissenschaftliche Einzeldisziplin selbst Gegenstand metawissenschaftlicher Betrachtung und Beurteilung ist. In der Tat sieht sich die sogenannte postmoderne, relativistisch-konstruktivistische Wissenschaftssoziologie, die mit Namen wie Latour, Woolgar, Barnes, Bloor oder Knorr-Cetina verbunden ist, dem Vorwurf der Pseudowissenschaftlichkeit ausgesetzt [1, 2, 4, 10], während dies für die herkömmliche Wissenschaftssoziologie, etwa im Sinne von R. Merton [8] oder J. Ziman [13], nicht gilt. Wer nun bei der Wissenschaftsphilosophie nach Abgrenzungskriterien sucht, sieht sich ebenfalls mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert. Die erste ist, dass es die Wissenschaftsphilosophie nicht (mehr) gibt. Seit dem Ende des Positivismus, der bis Anfang der 1960er Jahre die Wissenschaftsphilosophie dominiert hat, findet sich in ihr keine einheitliche Auffassung mehr, sondern nur mehr verschiedene Schulen, die von realistischen bis antirealistisch-relativistischen Ansätzen reichen (z.B. wissenschaftlicher Realismus, kritischer Rationalismus, Instrumentalismus, konstruktiver Empirismus, usw.). Je nach Schule variieren demnach auch die Auffassungen über die Abgrenzung von Wissenschaft und Nichtwissenschaft. Man kann jedoch feststellen, dass die realistischen Ansätze überwiegen. Die zweite Schwierigkeit besteht darin, dass selbst diejenigen Wissenschaftsphilosophen, die mehrheitlich akzeptierte Positionen teilen, zu dem Schluss gelangt sind, dass es einen klaren Satz notwendiger und hinreichender Abgrenzungskriterien nicht gibt. Zum Beispiel wird Poppers Falsifizierbarkeitskriterium zwar oft als notwendig akzeptiert, es ist aber nicht hinreichend [5, 6, 7]. So sind etwa viele Aussagen der Astrologie über den Zusammenhang von Sternzeichen und menschlichen Charaktereigenschaften falsifizierbar und vielfach in statistischen Studien falsifiziert, aber sie wird dennoch nicht als Wissenschaft anerkannt. Falsifizierbarkeit ist demnach weder das einzige noch ein hinreichendes Kriterium, nach dem Wissenschaft und Parawissenschaft unterschieden werden können. Ähnlich steht es mit anderen Einzelkriterien, wie etwa der Forderung nach Anwendung wissenschaftlicher Methoden. In der heutigen Parapsychologie etwa werden häufig untadelige Methoden angewandt, ohne dass diese verlässliche Erkenntnisse hervorgebracht hätte, so dass sie nach wie vor als Pseudowissenschaft gilt. Die Anwendung wissenschaftlicher Methoden scheint demnach wiederum ein zwar notwendiges Kriterium zu bilden, aber kein hinreichendes. Die dritte Schwierigkeit schließlich besteht in dem Problem, dass oft unklar ist, was genau als parawissenschaftlich betrachtet wird. Das Etikett parawissenschaftlich wird einzelnen Methoden, einzelnen Hypothesen (Aussagen), ganzen Theorien (Aussagesystemen) oder ganzen Bereichen bzw. Disziplinen angeheftet. (Begriffe wie „Paradigma“ [5] oder „Forschungsprogramm“ [6] sind hier zunächst verzichtbar, zumal angesichts ihrer vielfältigen Bedeutung erst geklärt werden müsste, was wir genau darunter verstehen wollen.) Je nach Analyse-Ebene werden dann unterschiedliche Abgrenzungskriterien zur Anwendung kommen müssen. Erklärungskraft etwa kann man von Theorien einfordern, nicht aber von Methoden. Und untersucht man eine ganze Disziplin, so kann man auch psychologische und soziologische Aspekte berücksichtigen, was bei einer Theorie als abstraktem Objekt sinnlos wäre. Dazu würde beispielsweise die Frage gehören, ob der betreffende Bereich tatsächlich aus einer Gruppe Forschung betreibender Personen besteht oder nur aus Einzelpersonen, die jede auf ganz unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem theoretischen Hintergrund eine bestimmte Praxis ausübt (wie z.B. Wünschelrutengänger), oder etwa nur aus einem „Meister“ und einer Gruppe von Anhängern, die lediglich unkritisch dessen Lehren nachbeten oder anwenden [2, 7]. Eine Untersuchung, ob ein bestimmter Erkenntnisbereich eine Parawissenschaft darstellt, wird also auf einen vielfältigen Katalog von Kriterien zurückgreifen müssen, von denen in jedem Einzelfall andere zum Tragen kommen können [7]. Entsprechend kann die Begründung für die Bewertung eines Bereiches als einer Parawissenschaft im Fall A durchaus anders ausfallen als im Fall B. Einige Beispiele für solche Kriterien seien im Folgenden angeführt:
Mithilfe dieser und anderer Kriterien lässt sich in aller Regel eine wohlbegründete Einschätzung treffen, ob ein Bereich den Parawissenschaften zuzurechnen ist oder nicht.
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